Was der Loser sieht — und was nicht
Der Parkplatz am Ende der Loser Panoramastraße liegt auf 1 585 Metern, und trotzdem ist er rundum zu. Ich habe die ganze Straße durchgerechnet, beide Parkplätze, beide Bergstationen und den Gipfel, dazu die Contestlogs: wer von dort erreichbar wäre. Nach Deutschland schaut nur einer, und zu dem muss man gehen.
Der dritte Standort nach Feuerkogel und Grünberg, und der erste mit Straße: die Loser Panoramastraße führt von Altaussee auf 1 585 Meter, oben ein Parkplatz mit Umkehrplatz, das Bergrestaurant, die Bergstation der Panoramabahn. Darunter, bei der Loserhütte, ein zweiter Parkplatz auf 1 506 Metern. Man fährt mit dem Auto hin, baut auf, fertig — so war der Gedanke.
Auf den Loser führt aber nicht nur die Straße. Die Panoramabahn fährt von Altaussee auf 1 604 Meter, darüber endet der Sessellift Loserfenster auf 1 757 Metern — eine Bergstation steht meist ein Stück höher und freier als der Parkplatz. Also alles gerechnet: Parkplätze, Straße, beide Bergstationen und den Gipfel.
Wie
Die Methode ist dieselbe wie bei den fünf Standorten davor: SRTM-Geländemodell, ein Strahl je Grad, zehn Meter Antenne, 4/3-Erde, 500 Kilometer weit, die Namen der Hindernisse aus der Wikipedia. Neu ist der zweite Schritt aus dem letzten Beitrag: die 3 215 Contestlogs der IARU-Conteste 2024 und 2025 auf den Standort umgerechnet — für jede Station Peilung, Entfernung und die Frage, ob der Horizont in ihre Richtung frei ist. Diesmal nicht nur für einen Punkt, sondern für die ganze Straße, Stützpunkt für Stützpunkt, dazu beide Bergstationen und den Gipfel.
Rundum

Es gibt keine zweite Hälfte. Alle 360 Peilungen sind zu. Der Parkplatz liegt in einer Mulde unter der Loser-Kuppe: nach Norden und Westen steigt das Gelände innerhalb von hundert Metern um fünfzig, sechzig Meter an — das sind +15° bis +27° in genau die Richtung, in der Deutschland liegt. Nach Osten die Bräuning Zinken und die Trisselwand, +1,5 bis +4°. Nur nach Südosten, zwischen 120° und 180°, kommt der Horizont auf +0,4 bis +1,5° herunter — dort stehen Tauern und Dachstein in vierzig, fünfzig Kilometern. Das ist die Richtung nach Graz und Slowenien, nicht nach Nürnberg.
Vom Parkplatz Loserhütte, achtzig Meter tiefer, ist es dasselbe Bild: 360 Peilungen zu, nach Deutschland +15 bis +22°, München +8,5°, Rosenheim +4,6°.
| Richtung | Was den Horizont setzt | Entfernung | Winkel |
|---|---|---|---|
| 240–60° | die Loser-Kuppe und der Augstsee-Sattel direkt über dem Parkplatz | 0,1–0,4 km | +4…+27° |
| 60–120° | Bräuning Zinken, Trisselwand | 0,3–4 km | +1,5…+3,8° |
| 120–180° | Wölzer Tauern, Sölkpass, Hochwildstelle | 36–50 km | +0,4…+1,5° |
| 180–240° | Elendberg, Koppenkarstein, Dachstein | 22–41 km | +1,0…+2,5° |
Der Platz

Das Gelände der ersten 136 Meter rund um den Platz kommt aus dem Laserscan des BEV mit vier Meter Raster — Bäume, Gebäude und Kuppen inbegriffen. Der Boden am Mast liegt bei 1594,7 Metern.
| Antennenhöhe | Richtungen, die das Nahfeld sperrt |
|---|---|
| 6 m | 196° |
| 8 m | 178° |
| 10 m | 164° |
| 12 m | 152° |
| 15 m | 145° |
Auch mit zehn Metern Mast sperrt das Nahfeld noch 164 Grad — das ist zusätzlich zu dem, was der Fernhorizont ohnehin zumacht.
Die Straße

Die Frage war, ob es irgendwo an der Straße besser geht. Also für 157 Straßenpunkte aus OpenStreetMap je 41 Peilungen von 270° über Nord bis 30° und die Winkel zu dreißig deutschen Städten gerechnet. Die Antwort ist eindeutig: nirgends. Die ganze Straße liegt an der Süd- und Ostflanke des Berges, und der Berg steht immer im Norden. Die am wenigsten schlechte Stelle liegt auf 1 238 Metern in den Kehren unterhalb der Loserhütte — dort kommen Nürnberg und Köln auf +0,8° herunter, München auf +2,7°, Berlin bleibt bei +17°. Immer noch alles über der Waagrechten.
Die Bergstationen
Zwei Bahnen enden oben am Loser, beide knapp unter dem Kamm. Die Koordinaten der Bergstationen stammen aus OpenStreetMap, die Höhen aus dem Geländemodell: Panoramabahn 47,66137 N / 13,78712 O, Sessellift 47,66389 N / 13,78130 O.
Die Panoramabahn

Alle 360 Peilungen sind zu. Die Station steht am Fuß des Hochanger-Rückens, der vom Loser-Gipfel nach Osten zieht: nach Norden und Westen steigt das Gelände innerhalb von hundert bis siebenhundert Metern um sechzig bis zweihundert Meter an. Das sind +14° bis +19° in Richtung Deutschland — und nach Deutschland liegt Salzburg genauso, +17°.
| Richtung | Was den Horizont setzt | Entfernung | Winkel |
|---|---|---|---|
| 330–60° | Augstsee-Sattel, Atterkogel | 0,1–1 km | +3…+16° |
| 60–140° | Backenstein, Trisselwand | 0,2–23 km | +1,0…+3,6° |
| 140–200° | Grimming, Kammspitz, Wölzer Tauern, Hochwildstelle | 9–54 km | +0,3…+1,7° |
| 200–240° | Dachstein, Sarstein | 0,6–27 km | +0,9…+5,1° |
| 240–330° | der Rücken über der Loserhütte, Hochanger | 0,1–1 km | +5,5…+18,8° |
München +17,2°, Nürnberg +16,4°, Berlin +14,3°, Prag +12,5°, Linz +10,3°. Auch nach Osten hilft die Trisselwand nicht: Wien +2,2°, Bratislava +2,5°, Budapest +3,0°, Graz +2,5°. Am flachsten ist es nach Südosten, wo nur noch die Tauern in vierzig, fünfzig Kilometern stehen — Zagreb +0,7°, Ljubljana +1,1°. Knapp, aber zu.
Was heißt das in Stationen? Innerhalb von 700 Kilometern stehen 2 249 Contest-Stationen mit Log. Mit freiem Horizont erreicht die Panoramabahn davon keine einzige. Rechnet man großzügig und nimmt alles bis +0,5° Horizontwinkel dazu — das ist Beugung über die Kante, ein paar Dezibel, keine Mauer —, sind es 22: elf Slowenen, sieben Kroaten. Bis +1,0° sind es 120, fast alle in Kroatien und Slowenien. Kein Deutscher, kein Tscheche, kein Pole.
Der Sessellift

Hundertfünfzig Meter höher, und nach Norden ändert sich nichts: der Hochanger steht hundert Meter neben der Station, +9° bis +20°, München +20,4°, Nürnberg +18,7°, Berlin +9,2°, Prag +6,6°. Der Kamm ist einfach noch nicht überwunden — das passiert erst am Gipfel, noch einmal achtzig Höhenmeter weiter oben.
Was sich ändert, ist der Südosten. Von 110° bis 170° liegt der Horizont nur noch +0,1° bis +1,0° über der Waagrechten: Graz +0,4°, Zagreb +0,4°, Ljubljana +0,6°, Wien +1,0°. Immer noch zu, aber so knapp, dass es mit Beugung geht. In Stationen: mit freiem Horizont wieder null; bis +0,5° dann 188 (Kroatien 73, Slowenien 29, Slowakei 24); bis +1,0° 436, darunter 137 Kroaten, 65 Italiener, 62 Slowenen. Das wäre, wenn man will, ein Südost-Standort für den Adria-Raum — mit einigen Dezibel Handicap in jede Richtung und ohne ein einziges deutsches Log in Reichweite. Und ob der Sessellift im September fährt, muss man vorher fragen.
Der Gipfel

Erst ganz oben ändert sich das Bild. Vom Loser-Gipfel, 1 838 Meter, eine halbe Stunde zu Fuß von der Bergstation, ist der Kamm überwunden: von 269° über Nord bis 359° frei, −0,3 bis −1,0°. München −0,97°, Nürnberg −1,02°, Köln −1,01°, Berlin −0,75°, Passau −0,77°, Dresden −0,77°. Knapp nur Rosenheim (−0,55°, hinter dem Untersberg) und Erfurt (−0,17°, der Große Höllkogel bei 333°). Nach Nordosten macht der Schönberg zu (+2,3°), nach Süden alles andere. Ein Nordwest-Platz — so gut wie der Feuerkogel in diese Richtung, aber ohne Auto und ohne Dach.
Das Loserfenster auf 1 781 Metern, ein paar Minuten unter dem Gipfel, wäre der Kompromiss: Nürnberg, Köln, Berlin frei, München mit +2,4° hinter dem Kamm.
Die vier Plätze am Loser

Das Diagramm sagt, was die Karten sagen, nur in einer Zahl. Die zwei Bergstationen: null. Der Loser-Gipfel, eine halbe Stunde zu Fuß über dem Sessellift: 853 Stationen mit freiem Horizont, 696 davon in Deutschland. Und das Feuerkogelhaus, zu dem ebenfalls eine Seilbahn fährt: 1 388.
Die Bergstation, die nach Deutschland schaut, steht nicht am Loser. Sie steht am Feuerkogel.
Die Karte
Bis 700 Kilometer
Die Karte zeigt, was die Zahlen sagen: die Striche vom Parkplatz aus enden nach hundert Metern bis fünfzig Kilometern, egal wie weit man den Radius aufzieht. Auf der Übersicht bis 800 Kilometer ragt von 78 Gebirgen nur der Hochgolling (43 km, 182°, +1,5°) über die Waagrechte, und der ist nach Süden.
Beide Karten als PDF: Zoom 180 km und Übersicht 800 km.

Auf dem Zoom sieht man, wie kurz die Striche sind: nach Norden und Westen enden sie nach hundert Metern, am Rücken über der Loserhütte. Nur nach Südosten reichen sie bis zu den Tauern.
Verdeckte Richtungen sind auf mindestens sechs Prozent des Radius gezogen, damit man sie sieht — die echten Striche wären hundert Meter lang. Beide Karten als PDF: Zoom 180 km mit den Bergnamen und Übersicht 800 km mit der nummerierten Liste — 78 Gebirge und Gipfel, von denen ein einziger, der Hochgolling bei 183°, tatsächlich über die Waagrechte ragt. Alle anderen sind hinter dem Rücken neben der Station verschwunden, bevor sie überhaupt zählen.
Die Stationen

Von den 2 120 Stationen in den Logs steht keine einzige über dem Horizont. Das ist kein Rundungsfehler: in allen 360 Richtungen liegt Gelände über der Waagrechten.
Die Anlage

Die Anlage, die am Stuhleck steht, bringt hier nichts: drei Masten, zwei Rotoren, 1 000 Watt — und keine einzige Station, weil der Horizont in jeder Richtung über der Waagrechten liegt. Die Rechnung steht trotzdem hier, damit der Vergleich ehrlich bleibt.
In drei Dimensionen
Derselbe Blick für jeden Standort: das Gelände kommt aus dem Laserscan des BEV, darüber liegt das Orthofoto, die beiden Masten stehen mit ihren gerechneten Höhen darauf. Die Schilder am Rand sind Städte — hell heißt über dem Horizont, grau dahinter.
Der Vergleich

Alle Standorte dieser Reihe mit derselben Anlage, derselben Zählregel und denselben Logs — nur so sind die Zahlen vergleichbar. Erreichbar heißt: Horizont unter der Waagrechten und genug Gewinn für die Entfernung (6 dBi bis 300 km, danach 3 dB je weitere 100 km), bei 1 000 Watt auf dem System, mit dem gerade gearbeitet wird. Beide großen Antennen hängen am Rotor — gezählt wird deshalb, was über den ganzen Contest erreichbar ist, nicht was eine feste Stellung gerade abdeckt.
Gezählt wird auf den IARU-Logs 2024/2025 und dem Marconi 2025: die erfassen jedes Land gleich. Die DARC-Liste deckt nur Deutschland ab — sie steht als eigene Spalte daneben, sonst gewinnt jeder Standort, der nach Westen schaut, allein durch die Datenlage.
| Standort | erreichbar | Deutschland | DARC-Liste | ≤ 500 km | Zugang |
|---|---|---|---|---|---|
| Stuhleck · 1 770 m | 1 549 | 326 | 569 | 962 | Auto bis oben |
| Traisner Hütte · 1 304 m | 1 482 | 569 | 988 | 877 | Sessellift, dann zu Fuß |
| Grünberg · 989 m | 1 417 | 700 | 1 271 | 826 | Seilbahn, Gasthaus |
| Feuerkogelhaus · 1 591 m | 1 302 | 588 | 1 056 | 726 | Seilbahn, Gasthaus |
| Braunsberg · 337 m | 1 172 | 454 | 814 | 740 | Auto bis oben |
| Gaisberg · 1 272 m | 1 055 | 628 | 1 199 | 618 | Auto bis oben |
| Hochkar · 1 478 m | 438 | 321 | 559 | 247 | Auto bis oben |
| Loser · 1 585 m | 0 | 0 | 0 | 0 | Auto bis oben |
Loser steht damit auf Platz 8 von 8.
Wer die älteren Beiträge dieser Reihe kennt, findet dort andere Zahlen: Die wurden mit der ersten Bestückung gerechnet — ein Yagi-Stack und ein Vierfachquad-Stack mit 69° Keulenbreite. Seit die Wahl auf zwei schmale 12JXX2-Stacks gefallen ist, verschiebt sich die Reihenfolge: Mehr Gewinn, weniger Breite bevorzugt die Standorte, deren Stationen in einer Richtung gebündelt liegen, und kostet die, die rundum offen sind. Die festen Tonnas auf Mast 3 holen einen Teil dieser Breite zurück.
Die Daten
| Standort | Loser — Parkplatz am Ende der Panoramastraße |
| Koordinaten | 47,66047 N / 13,78493 O · 1 585 m · JN67VP |
| Zugang | Straße bis zum Platz |
| Horizont frei | keine Richtung |
| Grad frei / knapp / zu | 0° / 0° / 360° |
| Stationen ≤ 700 km | 0 frei, 0 knapp, von 2 120 |
| Deutschland (IARU) | 0 frei, 0 knapp, von 689 |
| Deutschland (DARC-Liste) | 0 unter der Waagrechten von 1 287 |
| Anlage | drei Masten · Mast 1 10 m (2 × 12JXX2 auf 6,9/9,7 m, Rotor) · Mast 2 7 m (2 × 12JXX2 auf 3,9/6,7 m, Rotor) · Mast 3 7 m (2 × 9-el-Tonna auf 3,9/6,7 m, fest) |
| Stellungen | — |
| umgeschaltet · 1 000 W | 0 · ≤ 500 km 0 · DL 0 · mit drei festen Stellungen je Rotor 0 |
| geteilt · je 500 W | 0 · ≤ 500 km 0 · DL 0 |
| alle drei zugleich · je 333 W | 0 · ≤ 500 km 0 · DL 0 |
| ohne den Tonna-Mast | 0 statt 0 |
| Σ Kilometer | 0 km |
| mit strengem Maß | nur Richtungen unter −0,3°: 0 · ≤ 500 km 0 · DL 0 |
Was das heißt
Vom Auto aus ist der Loser kein Contest-Standort — in keine Richtung, am wenigsten nach Deutschland. Die Panoramastraße hat keine bessere Stelle, die Bahnen enden unter dem Kamm. Wer hier nach Norden funken will, trägt die Station auf den Gipfel und bekommt dafür einen Horizont, der von München bis Dresden −0,75 bis −1,0° tief liegt. Für alles andere sind Grünberg und Feuerkogel die besseren Adressen.
Vorbehalt
Rechnung, keine Messung. Gerade im Nahbereich — die Kuppe hundert Meter neben dem Parkplatz — hängt das Ergebnis am Dreißig-Meter-Raster des Geländemodells; die Größenordnung stimmt, das einzelne Grad nicht. Ob am Parkplatz noch eine Ecke ist, die um die Kuppe herumschaut, sieht man vor Ort besser als in der Rechnung.
Das Geländemodell hat dreißig Meter Raster, kennt weder die Station selbst noch das Restaurant daneben und rechnet die Standardatmosphäre. An einem Standort, der nach Norden +14° zu hat, ändert davon nichts etwas. Die Stationszahlen sind Logs, keine Stationen, und zwei Jahre alt.
73 · OE5SOS