Wo die Stationen wirklich sind
Der Horizont war die erste Frage, die Gegenstationen sind die zweite. 3 215 Contestlogs aus zwei Jahren sagen, wohin die Antennen am Feuerkogel schauen müssen — und warum die zweite nicht auf Prag zeigt.
Was der Feuerkogel sieht, habe ich gerechnet: frei von 294° über Nord bis 92°, zu von 106° über Süd bis 293°. Das ist die halbe Antwort. Die andere Hälfte ist, wer in dieser freien Hälfte sitzt — denn eine Antenne, die in Richtung des schönsten Horizonts schaut, nützt nichts, wenn dort niemand funkt. Für den Standort am Gasthaus Feuerkogelhaus wollte ich beide Hälften zusammenlegen: wohin die zwei festen Antennen zeigen sollen, und wohin die drehbare.
Auch das habe ich nicht geschätzt.
Woher die Zahlen kommen
Jede Station, die nach einem UKW-Contest ein Log einreicht, steht mit Rufzeichen und Locator in einer Ergebnisliste. Der DARC veröffentlicht seine Listen mit allen Teilnehmern, der IARU-Region-1-Robot sammelt die Logs aller Länder. Ich habe genommen, was es für 145 MHz gibt: die fünf DARC-Conteste des Jahres 2025 — März, Mai, Juli, IARU-September, Marconi — mit 1 357 verschiedenen deutschen Stationen, und vom Robot den IARU-Contest 2024, den IARU-Contest 2025 und den Marconi 2025 mit zusammen 3 215 Logs aus 35 Ländern.
Aus jedem Locator werden Peilung und Entfernung vom Feuerkogelhaus, aus der Horizontrechnung vom Vortag, ob die Peilung frei ist oder ein Berg davor steht. Was weiter als 700 Kilometer weg ist, zählt nicht mit — nicht weil es unmöglich wäre, sondern weil man eine Antenne nicht nach dem ausrichtet, was einmal im Jahr bei Tropo geht.
Ein Log ist eine Station, die es ernst meint. Wer nur ein paar Verbindungen macht und nichts einreicht, fehlt in den Listen. Das verzerrt die Zahlen nach oben zu den großen Stationen — für die Frage, wohin die Antenne schaut, ist das die richtige Verzerrung.
Deutschland
Drei Viertel aller deutschen Contest-Stationen liegen vom Feuerkogel aus zwischen 300° und 340°. Das Ruhrgebiet und das Rheinland stellen das größte Großfeld, dahinter Hannover, Köln, Frankfurt, Thüringen.
| Großfeld | Gegend | Stationen 2025 | Peilung | Entfernung | frei |
|---|---|---|---|---|---|
| JO31 | Ruhrgebiet, Rheinland | 161 | 312° | 625 km | alle |
| JO52 | Hannover, Magdeburg | 108 | 339° | 544 km | alle |
| JO30 | Köln, Eifel, Westerwald | 96 | 305° | 583 km | alle |
| JN58 | München, Oberbayern | 92 | 287° | 188 km | 10 |
| JO40 | Frankfurt, Rhein-Main | 86 | 309° | 458 km | alle |
| JO50 | Thüringen, Nordhessen | 80 | 329° | 360 km | alle |
| JN48 | Stuttgart, Schwaben | 72 | 287° | 361 km | 5 |
| JN49 | Rhein-Neckar, Odenwald | 66 | 298° | 406 km | 54 |
| JO62 | Berlin, Brandenburg | 56 | 357° | 518 km | alle |
| JO42 | Ostwestfalen, Weser | 54 | 328° | 609 km | alle |
| JN59 | Nürnberg, Franken | 51 | 319° | 268 km | alle |
| JO61 | Sachsen, Dresden | 47 | 353° | 395 km | alle |
Die Spalte ganz rechts ist die, um die es geht. München und Stuttgart, zusammen 164 Stationen und die nächsten großen Felder überhaupt, liegen bei 287° — genau hinter der Feuerkogel-Kuppe und dem Alberfeldkogel. Von 92 Münchner Stationen sieht das Haus zehn. Mit dem Allgäu, dem Bodensee und dem Saarland sind es 212 der 1 357 deutschen Stationen, die vom Feuerkogel aus nicht zu erreichen sind, egal mit welcher Antenne. Das gibt der Berg nicht her, und es ist der Preis dieses Standorts.
Der Schwerpunkt der erreichbaren deutschen Stationen liegt bei 327°. Das ist auf ein Grad genau die Richtung, die schon die reine Flächenrechnung ergeben hatte — Deutschland ist dort am dichtesten, wo es am größten ist.
Der Osten ist so groß wie Deutschland
Das war die Überraschung. Innerhalb von 700 Kilometern und mit freiem Horizont erreicht das Feuerkogelhaus 1 388 Stationen: Deutschland 622, Polen 356, Tschechien 236, Slowakei 87, Österreich 48, Ungarn 24. Polen und Tschechien zusammen sind so viele wie Deutschland, und sie sind näher — Prag 300 Kilometer, Brünn 300, Ostrava 410, Kraków 470.

Die Balken zeigen es deutlicher als jede Karte: es sind zwei Blöcke. Einer von 300° bis 350°, das ist Deutschland. Einer von 0° bis 70°, das sind Böhmen, Mähren, Schlesien, Polen. Dazwischen, um Nord herum, wird es kurz dünner. Und was jenseits von 106° läge, steht hinter dem Toten Gebirge und den Tauern: Ungarn bis auf 24 Stationen, Slowenien, Kroatien mit 151, Italien mit 377 Stationen im Umkreis — vom Feuerkogel aus kein einziges davon.
Zwei feste Antennen
Für die zwei festen Antennen habe ich mit dem Vierfachquad von ANJO gerechnet, weil er 69° breit ist — breit genug, dass ein ganzer Block hineinpasst, ohne dass jemand dreht. Zwei davon übereinander an einem Mast, per Relais umgeschaltet.

Die erste auf 328°. Ihr Sektor von 293,5° bis 2,5° enthält 620 der 622 erreichbaren deutschen Stationen — Köln und Frankfurt an der linken Kante, Berlin und Dresden an der rechten, alles dazwischen mit vollem Gewinn.
Die zweite auf 37°. Nicht auf Prag, was der erste Gedanke war. Prag liegt bei 11,5°, und ein Quad dorthin würde von 337° bis 46° schauen — die linke Hälfte davon hat die erste Antenne schon, die rechte endet vor Kraków, Kattowitz, Ostrava und der ganzen Slowakei. Auf 37° dagegen, von 2,5° bis 71,5°, sitzen alle 356 polnischen und alle 236 tschechischen Stationen, dazu 37 slowakische und 25 österreichische. Prag ist dann 25° neben der Achse, das kostet 1,6 dB und stört keinen. Zusammen decken die zwei festen Antennen 92 Prozent aller erreichbaren Stationen ab, und keine muss je gedreht werden.
Ein zweiter Quad für Deutschland hätte übrigens fünf Prozent gebracht. Die zweite Antenne gehört nach Osten.
Wohin der Stack dreht
Was fehlt, ist der Rest — und der Gewinn. Die drehbare Antenne ist ein Stack aus zwei 12-Element-Yagis, 33,8° breit, mit gut fünf Dezibel mehr als der Quad. Dafür hat sie fünf Stellungen.

| Stellung | Sektor | Was dort sitzt |
|---|---|---|
| 312° | 295–329° | Köln, Frankfurt, Ruhrgebiet, Nürnberg — Deutschland West, das Fernste |
| 346° | 329–3° | Thüringen, Hannover, Hamburg, Berlin, Dresden |
| 16° | 359–33° | Prag, Budweis, Breslau, Poznań, Mittelpolen — 346 Stationen, der Quad hat sie schon, der Stack legt für die Fernen fünf Dezibel drauf |
| 54° | 37–71° | Brünn, Ostrava, Kraków, Kattowitz, Südpolen — 300 Stationen mit den aktivsten Logs im Osten |
| 88° | 71–105° | Slowakei, Wien, Bratislava, Westungarn — 108 Stationen, die kein fester Quad sieht |
Die Stellung 54° hat noch einen Grund. Bei 53° steht der Traunstein, der eine Zahn im freien Horizont: 1,6 Grad breit, +0,27° hoch, und genau dahinter Brünn und Kattowitz. Er kostet dort drei bis fünf Dezibel Troposcatter. Kein Mast hilft dagegen — man bräuchte fünfzig Meter mehr — aber der Stack zahlt es mit seinem Gewinn zurück. Und 88° ist die Stellung, für die es sonst keine Antenne gibt: Slowakei und Wien liegen außerhalb beider Quads, und ein dritter fester Quad dafür hätte die halbe Keule im Toten Gebirge.
Vorbehalt
Das sind Logs, keine Stationen. Wer nicht einreicht, fehlt; wer 2024 und 2025 nicht dabei war, auch. Zwei Jahre sind ein Ausschnitt, und ein guter Tropo-Abend verschiebt alles nach Norden. Die Horizontrechnung kennt weiter weder das Haus noch die Bergstation neben dem Mast, und der Kasberg bei 94° macht Budapest mit +0,16° zu einer Frage der Beugung, nicht des Ja oder Nein.
Was die Rechnung sicher sagt: Die erste Antenne schaut nach Deutschland, die zweite nach Tschechien und Polen, und die dritte dreht. Der Rest wird gemessen — oben, mit Antenne.
73 · OE5SOS