Was der Grünberg sieht

17. September 2026

Gmundens Hausberg, 989 Meter, hundert Meter westlich hinter dem Gasthaus: dieselbe Rechnung wie für den Feuerkogel. Der Traunstein steht drei Kilometer vor der Tür und macht den halben Kreis zu — die andere Hälfte ist offen bis nach Bayern und Böhmen.

Dunkle Karte 700 Kilometer um den Grünberg mit Staatsgrenzen: für jede Peilung ein Strich bis zum Gelände, das den Horizont bildet — grün von West über Nord bis Ost, bernstein nach Süden nur wenige Kilometer; dazu die Zahlen 285° bis 80° frei, 92° bis 256° zu
989 m · JN67VV

Nach dem Feuerkogel der Berg auf der anderen Seite des Sees: der Grünberg über Gmunden, 989 Meter, JN67VV. Kein Gipfel, ein Rücken — mit der Seilbahn von Gmunden aus in zehn Minuten oben, das Gasthaus steht am oberen Ende. Gerechnet habe ich für den Platz hundert Meter westlich hinter dem Haus, weil er von allen Punkten auf dem Rücken den freiesten Blick nach Westen hat. Viel Unterschied macht das nicht: die ganze Kuppe liegt innerhalb von zwei Hundertstelgrad gleich.

Wie

Die Methode wie bei allen Standorten dieser Reihe: SRTM-Geländemodell, ein Strahl je Grad bis 500 Kilometer, zehn Meter Antennenhöhe, Erdkrümmung mit dem 4/3-Radius, Namen der Hindernisse aus der Wikipedia. Ausführlich steht sie im Feuerkogel-Beitrag. Dazu der Laserscan des BEV für die ersten 140 Meter rund um den Platz und die Contestlogs darübergelegt.

Drei Klassen: frei heißt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten, knapp zwischen −0,3° und null, zu heißt Gelände über der Waagrechten.

Rundum

Polardiagramm des Radiohorizonts vom Grünberg: von Ost über Süd bis Westsüdwest eine rote Fläche aus Terrain über der Waagrechten, mit einer zwölf Grad hohen Spitze nach Süden, von West über Nord bis Ost frei bis knapp

Zwei Hälften, wie beim Feuerkogel — nur anders geschnitten.

Von 92° über Süd bis 256° ist zu. Und zwar nicht ein bisschen: der Traunstein steht drei Kilometer südlich, 1 691 Meter hoch, und ragt mit +12° in den Himmel. Das ist keine Kerbe, das ist eine Wand von 139° bis 192°. Links davon der Hochsalm und die Kremsmauer, rechts davon Höllengebirge und Dachstein, alles zwischen +1° und +4°. Dazu zwei kleine Zacken: die Seisenburg bei Steinbach am Ziehberg (83–90°, +0,2°) und, ganz fein, der Hochstaufen im Chiemgau (258–261°, 74 km, +0,3°).

Von 262° über Nord bis 80° ist es offen — mit Abstufungen. Wirklich frei, 0,3 bis 0,6 Grad unter der Waagrechten, ist es von 285° bis 344° (Bayerischer Wald, 30 bis 145 km) und von 40° bis 80° (Mühl- und Waldviertel, Voralpen). Dazwischen gibt es knappe Stellen: der Hongar bei 282–284° (12 km, −0,2°), der Böhmerwald bei 345–350° und 0–9° (Lusen, Plöckenstein, 100 bis 120 km, −0,1 bis −0,3°), der Sternstein bei 21–25° (81 km, −0,2°). Knapp heißt hier: unter der Waagrechten, aber nur um Haaresbreite.

RichtungWas den Horizont setztEntfernungWinkel
83–⁠90°Seisenburg / Magdalenaberg17 km+0,0…⁠+0,2°
92–⁠107°Hochsalm5–22 km+0,1…⁠+1,6°
109–⁠136°Steineck, Katzenstein, Laudachsee4–5 km+1,2…⁠+4,4°
139–⁠192°Traunstein3 km+1,7…⁠+12,0°
193–⁠209°Dachstein: Scheichenspitze, Gjaidstein, Hohe Schrott19–51 km+1,1…⁠+2,1°
212–⁠246°Höllengebirge: Kranabethsattel, Feuerkogel, Rieder Hütte, Hochlecken12–18 km+1,2…⁠+3,1°
250–⁠261°Berchtesgadener Alpen, Hochstaufen64–99 km+0,0…⁠+0,5°

Der Platz

Lageplan des Platzes am Grünberg aus dem Laserscan mit Orthofoto: Höhenlinien alle zwei Meter, die drei Mastplätze und die Strahlrichtungen

Das Gelände der ersten 136 Meter rund um den Platz kommt aus dem Laserscan des BEV mit vier Meter Raster — Bäume, Gebäude und Kuppen inbegriffen. Der Boden am Mast liegt bei 996,9 Metern.

AntennenhöheRichtungen, die das Nahfeld sperrt
6 m131°
8 mkeine
10 mkeine
12 mkeine
15 mkeine

Mit zehn Metern Mast ist der Platz in allen 360 Richtungen frei vom eigenen Nahfeld. Was von hier aus zu ist, macht das Gelände in der Ferne zu, nicht der Platz selbst.

Die Karte

Reliefkarte 180 Kilometer um den Grünberg, für jede Peilung ein Strahl bis zu dem Gelände, das den Horizont bildet — grün nach Norden und Westen bis weit nach Bayern und Böhmen, rot nach Süden nur wenige Kilometer weit

Der grüne Fächer ist breiter als beim Feuerkogel, weil der Westen dazukommt: nichts vom eigenen Berg steht im Weg. Dafür reicht er nicht so tief — 989 statt 1 591 Meter, und das merkt man am Winkel: der Horizont liegt hier bei −0,3 bis −0,6°, am Feuerkogel bei −0,6 bis −0,95°.

Bis 700 Kilometer

Karte um den Grünberg mit Staatsgrenzen, zwischen 200 und 700 Kilometer Radius: für jede Peilung ein Strich bis zum Gelände, das den Horizont bildet — grün, wo es unter der Waagrechten bleibt, bernstein, wo Terrain darüber steht
Radius 200 km

Weiter draußen stört nichts mehr — die Erdkrümmung sorgt dafür, wie schon beim Feuerkogel vorgerechnet. Von den 78 Gebirgen auf der Übersicht bis 800 Kilometer ragt genau eines über die Waagrechte, und das liegt in Österreich: der Ötscher, 103 km bei 91°, mit +0,15°. Alles in Deutschland, Tschechien, Polen bleibt darunter — der Bayerische Wald, der die Sicht nach Norden bildet, liegt selbst schon bei −0,4°.

Beide Karten als PDF: Zoom 180 km mit allen Bergnamen und Übersicht 800 km mit der nummerierten Liste.

Die Stationen

Dunkle Karte 700 Kilometer um Grünberg, jede Contest-Station ein Punkt: hell, wo der Horizont frei ist, bernstein dahinter; dazu die sechs Rotorstellungen der Anlage

Von den 2 134 Stationen, die in den Logs bis 700 Kilometer auftauchen, stehen 1 417 über dem Horizont — Deutschland 700 von 701. Das ist die Obergrenze: mehr kann keine Antenne herausholen, egal wie groß sie ist.

Die Zahl hat aber zwei Hälften. Wirklich frei — der Horizont liegt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten — sind 1 103 Stationen, davon 590 in Deutschland. Die übrigen 314 liegen knapp: zwischen −0,3° und null, also im Streifschatten einer Kante. Dort geht etwas, aber mit Verlust — drei bis acht Dezibel, je nach Tag. Der Beitrag nennt beide Zahlen, weil nur beide zusammen den Platz beschreiben. Von den 137 Grad, die frei sind, kommen 44 Grad knappe dazu.

Die Anlage

Blatt „Die Antennenanlage“: Polardiagramm der Stationen bis 500 Kilometer um Grünberg, je zehn Grad als Balken nach Land gestapelt, dazu die drei Stellungen des DL-Stacks und die drei des Rotor-Stacks

Gerechnet ist überall dieselbe Anlage wie am Stuhleck, mit drei Masten:

Die Stellungen sind nicht geraten, sondern gesucht: Für Grünberg fallen sie auf 304° / 346° / 286° am DL-Stack, 42° / 70° / 16° am Rotor-Stack und 250° für die festen Tonnas.

Gespeist wird über einen Umschalter. Liegen die vollen 1 000 Watt auf dem System, auf dem gerade gearbeitet wird, und drehen die beiden Rotoren über den Contest, kommt die Anlage auf 1 417 Stationen (Deutschland 700, nach der DARC-Liste 1 271). Teilt man die Leistung auf die beiden Rotor-Stacks, also 500 Watt je Stack, sind es 1 132; mit nur drei festen Stellungen je Rotor 1 376; auf alle drei Systeme zugleich verteilt nur noch 869 — drei Richtungen kosten mehr Leistung, als sie an Fläche bringen. Der Tonna-Mast allein steuert 3 Stationen bei, die ohne ihn fehlen würden.

In drei Dimensionen

Ziehen dreht, das Rad zoomt. Die Regler drehen die beiden Stacks, die Knöpfe springen auf die gerechneten Stellungen. Im Vollbild öffnen

Derselbe Blick für jeden Standort: das Gelände kommt aus dem Laserscan des BEV, darüber liegt das Orthofoto, die beiden Masten stehen mit ihren gerechneten Höhen darauf. Die Schilder am Rand sind Städte — hell heißt über dem Horizont, grau dahinter.

Der Vergleich

Balkendiagramm aller Standorte der Reihe mit derselben Anlage: je Standort ein Balken der erreichbaren Stationen, nach Ländern gestapelt

Alle Standorte dieser Reihe mit derselben Anlage, derselben Zählregel und denselben Logs — nur so sind die Zahlen vergleichbar. Erreichbar heißt: Horizont unter der Waagrechten und genug Gewinn für die Entfernung (6 dBi bis 300 km, danach 3 dB je weitere 100 km), bei 1 000 Watt auf dem System, mit dem gerade gearbeitet wird. Beide großen Antennen hängen am Rotor — gezählt wird deshalb, was über den ganzen Contest erreichbar ist, nicht was eine feste Stellung gerade abdeckt.

Gezählt wird auf den IARU-Logs 2024/2025 und dem Marconi 2025: die erfassen jedes Land gleich. Die DARC-Liste deckt nur Deutschland ab — sie steht als eigene Spalte daneben, sonst gewinnt jeder Standort, der nach Westen schaut, allein durch die Datenlage.

StandorterreichbarDeutschlandDARC-Liste≤ 500 kmZugang
Stuhleck · 1 770 m1 549326569962Auto bis oben
Traisner Hütte · 1 304 m1 482569988877Sessellift, dann zu Fuß
Grünberg · 989 m1 4177001 271826Seilbahn, Gasthaus
Feuerkogelhaus · 1 591 m1 3025881 056726Seilbahn, Gasthaus
Braunsberg · 337 m1 172454814740Auto bis oben
Gaisberg · 1 272 m1 0556281 199618Auto bis oben
Hochkar · 1 478 m438321559247Auto bis oben
Loser · 1 585 m0000Auto bis oben

Grünberg steht damit auf Platz 3 von 8.

Wer die älteren Beiträge dieser Reihe kennt, findet dort andere Zahlen: Die wurden mit der ersten Bestückung gerechnet — ein Yagi-Stack und ein Vierfachquad-Stack mit 69° Keulenbreite. Seit die Wahl auf zwei schmale 12JXX2-Stacks gefallen ist, verschiebt sich die Reihenfolge: Mehr Gewinn, weniger Breite bevorzugt die Standorte, deren Stationen in einer Richtung gebündelt liegen, und kostet die, die rundum offen sind. Die festen Tonnas auf Mast 3 holen einen Teil dieser Breite zurück.

Die Daten

StandortGrünberg — Rücken westlich hinter dem Gasthaus
Koordinaten47,89829 N / 13,82024 O · 989 m · JN67VV
ZugangSeilbahn, Gasthaus am Platz
Horizont frei268°–82°
Grad frei / knapp / zu137° / 44° / 179°
Stationen ≤ 700 km1 103 frei, 314 knapp, von 2 134
Deutschland (IARU)590 frei, 110 knapp, von 701
Deutschland (DARC-Liste)1 324 unter der Waagrechten von 1 325
Anlagedrei Masten · Mast 1 10 m (2 × 12JXX2 auf 6,9/9,7 m, Rotor) · Mast 2 7 m (2 × 12JXX2 auf 3,9/6,7 m, Rotor) · Mast 3 7 m (2 × 9-el-Tonna auf 3,9/6,7 m, fest)
StellungenDL-Stack 304° / 346° / 286° · Rotor-Stack 42° / 70° / 16° · Tonna fest 250°
umgeschaltet · 1 000 W1 417 · ≤ 500 km 826 · DL 700 · mit drei festen Stellungen je Rotor 1 376
geteilt · je 500 W1 132 · ≤ 500 km 826 · DL 544
alle drei zugleich · je 333 W869 · ≤ 500 km 809 · DL 407
ohne den Tonna-Mast1 373 statt 1 376
Σ Kilometer623 181 km
mit strengem Maßnur Richtungen unter −0,3°: 836 · ≤ 500 km 634 · DL 416

Was das heißt

Nach Deutschland ist der Grünberg rundum offen, München eingeschlossen: Nürnberg −0,61°, Köln −0,59°, Stuttgart −0,60°, Frankfurt −0,50°, München −0,45°, Erfurt −0,44°, Berlin −0,36°, Passau −0,41°. Knapp wird es nur nach Rosenheim (−0,08°, der Hongar) und nach Sachsen — Dresden −0,19°, Leipzig −0,26° — wo der Böhmerwald fast bis an die Waagrechte reicht.

Gegen den Feuerkogel gerechnet: dort ist der Norden ein halbes Grad tiefer, dafür München hinter der eigenen Kuppe verschwunden. Hier ist alles flacher, aber nichts zu. Für die Masse der deutschen Stationen — Bayern, Franken, Baden-Württemberg — ist der Grünberg damit der ausgeglichenere Platz; für die weiten Wege nach Norden ist der Feuerkogel der bessere.

Nach Süden gibt es nichts zu holen, und das ist keine Überraschung, wenn man einmal von der Terrasse aus zum Traunstein hinaufgeschaut hat.

Vorbehalt

Rechnung, keine Messung — Geländemodell mit dreißig Meter Raster, ohne Bäume, ohne Gebäude, Standardatmosphäre. Der Rücken des Grünbergs ist bewaldet; wo genau die Antenne über die Bäume kommt, entscheidet vor Ort mehr als jedes Zehntelgrad in dieser Tabelle.

73 · OE5SOS