Was der Grünberg sieht
Gmundens Hausberg, 989 Meter, hundert Meter westlich hinter dem Gasthaus: dieselbe Rechnung wie für den Feuerkogel. Der Traunstein steht drei Kilometer vor der Tür und macht den halben Kreis zu — die andere Hälfte ist offen bis nach Bayern und Böhmen.
Nach dem Feuerkogel der Berg auf der anderen Seite des Sees: der Grünberg über Gmunden, 989 Meter, JN67VV. Kein Gipfel, ein Rücken — mit der Seilbahn von Gmunden aus in zehn Minuten oben, das Gasthaus steht am oberen Ende. Gerechnet habe ich für den Platz hundert Meter westlich hinter dem Haus, weil er von allen Punkten auf dem Rücken den freiesten Blick nach Westen hat. Viel Unterschied macht das nicht: die ganze Kuppe liegt innerhalb von zwei Hundertstelgrad gleich.
Wie
Die Methode wie bei allen Standorten dieser Reihe: SRTM-Geländemodell, ein Strahl je Grad bis 500 Kilometer, zehn Meter Antennenhöhe, Erdkrümmung mit dem 4/3-Radius, Namen der Hindernisse aus der Wikipedia. Ausführlich steht sie im Feuerkogel-Beitrag. Dazu der Laserscan des BEV für die ersten 140 Meter rund um den Platz und die Contestlogs darübergelegt.
Drei Klassen: frei heißt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten, knapp zwischen −0,3° und null, zu heißt Gelände über der Waagrechten.
Rundum

Zwei Hälften, wie beim Feuerkogel — nur anders geschnitten.
Von 92° über Süd bis 256° ist zu. Und zwar nicht ein bisschen: der Traunstein steht drei Kilometer südlich, 1 691 Meter hoch, und ragt mit +12° in den Himmel. Das ist keine Kerbe, das ist eine Wand von 139° bis 192°. Links davon der Hochsalm und die Kremsmauer, rechts davon Höllengebirge und Dachstein, alles zwischen +1° und +4°. Dazu zwei kleine Zacken: die Seisenburg bei Steinbach am Ziehberg (83–90°, +0,2°) und, ganz fein, der Hochstaufen im Chiemgau (258–261°, 74 km, +0,3°).
Von 262° über Nord bis 80° ist es offen — mit Abstufungen. Wirklich frei, 0,3 bis 0,6 Grad unter der Waagrechten, ist es von 285° bis 344° (Bayerischer Wald, 30 bis 145 km) und von 40° bis 80° (Mühl- und Waldviertel, Voralpen). Dazwischen gibt es knappe Stellen: der Hongar bei 282–284° (12 km, −0,2°), der Böhmerwald bei 345–350° und 0–9° (Lusen, Plöckenstein, 100 bis 120 km, −0,1 bis −0,3°), der Sternstein bei 21–25° (81 km, −0,2°). Knapp heißt hier: unter der Waagrechten, aber nur um Haaresbreite.
| Richtung | Was den Horizont setzt | Entfernung | Winkel |
|---|---|---|---|
| 83–90° | Seisenburg / Magdalenaberg | 17 km | +0,0…+0,2° |
| 92–107° | Hochsalm | 5–22 km | +0,1…+1,6° |
| 109–136° | Steineck, Katzenstein, Laudachsee | 4–5 km | +1,2…+4,4° |
| 139–192° | Traunstein | 3 km | +1,7…+12,0° |
| 193–209° | Dachstein: Scheichenspitze, Gjaidstein, Hohe Schrott | 19–51 km | +1,1…+2,1° |
| 212–246° | Höllengebirge: Kranabethsattel, Feuerkogel, Rieder Hütte, Hochlecken | 12–18 km | +1,2…+3,1° |
| 250–261° | Berchtesgadener Alpen, Hochstaufen | 64–99 km | +0,0…+0,5° |
Der Platz

Das Gelände der ersten 136 Meter rund um den Platz kommt aus dem Laserscan des BEV mit vier Meter Raster — Bäume, Gebäude und Kuppen inbegriffen. Der Boden am Mast liegt bei 996,9 Metern.
| Antennenhöhe | Richtungen, die das Nahfeld sperrt |
|---|---|
| 6 m | 131° |
| 8 m | keine |
| 10 m | keine |
| 12 m | keine |
| 15 m | keine |
Mit zehn Metern Mast ist der Platz in allen 360 Richtungen frei vom eigenen Nahfeld. Was von hier aus zu ist, macht das Gelände in der Ferne zu, nicht der Platz selbst.
Die Karte

Der grüne Fächer ist breiter als beim Feuerkogel, weil der Westen dazukommt: nichts vom eigenen Berg steht im Weg. Dafür reicht er nicht so tief — 989 statt 1 591 Meter, und das merkt man am Winkel: der Horizont liegt hier bei −0,3 bis −0,6°, am Feuerkogel bei −0,6 bis −0,95°.
Bis 700 Kilometer
Weiter draußen stört nichts mehr — die Erdkrümmung sorgt dafür, wie schon beim Feuerkogel vorgerechnet. Von den 78 Gebirgen auf der Übersicht bis 800 Kilometer ragt genau eines über die Waagrechte, und das liegt in Österreich: der Ötscher, 103 km bei 91°, mit +0,15°. Alles in Deutschland, Tschechien, Polen bleibt darunter — der Bayerische Wald, der die Sicht nach Norden bildet, liegt selbst schon bei −0,4°.
Beide Karten als PDF: Zoom 180 km mit allen Bergnamen und Übersicht 800 km mit der nummerierten Liste.
Die Stationen

Von den 2 134 Stationen, die in den Logs bis 700 Kilometer auftauchen, stehen 1 417 über dem Horizont — Deutschland 700 von 701. Das ist die Obergrenze: mehr kann keine Antenne herausholen, egal wie groß sie ist.
Die Zahl hat aber zwei Hälften. Wirklich frei — der Horizont liegt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten — sind 1 103 Stationen, davon 590 in Deutschland. Die übrigen 314 liegen knapp: zwischen −0,3° und null, also im Streifschatten einer Kante. Dort geht etwas, aber mit Verlust — drei bis acht Dezibel, je nach Tag. Der Beitrag nennt beide Zahlen, weil nur beide zusammen den Platz beschreiben. Von den 137 Grad, die frei sind, kommen 44 Grad knappe dazu.
Die Anlage

Gerechnet ist überall dieselbe Anlage wie am Stuhleck, mit drei Masten:
- Mast 2, 7 Meter, Rotor: zwei 12JXX2 gestockt auf 3,9 und 6,7 m — der Stack, der nach Deutschland schaut.
- Mast 1, 10 Meter, Rotor: zwei 12JXX2 gestockt auf 6,9 und 9,7 m, 34° breit, 17,8 dBi.
- Mast 3, 7 Meter, ohne Rotor: zwei gestockte 9-Element-Tonna auf 3,9 und 6,7 m, 44° breit, 14,3 dBi — fest auf eine Richtung.
Die Stellungen sind nicht geraten, sondern gesucht: Für Grünberg fallen sie auf 304° / 346° / 286° am DL-Stack, 42° / 70° / 16° am Rotor-Stack und 250° für die festen Tonnas.
Gespeist wird über einen Umschalter. Liegen die vollen 1 000 Watt auf dem System, auf dem gerade gearbeitet wird, und drehen die beiden Rotoren über den Contest, kommt die Anlage auf 1 417 Stationen (Deutschland 700, nach der DARC-Liste 1 271). Teilt man die Leistung auf die beiden Rotor-Stacks, also 500 Watt je Stack, sind es 1 132; mit nur drei festen Stellungen je Rotor 1 376; auf alle drei Systeme zugleich verteilt nur noch 869 — drei Richtungen kosten mehr Leistung, als sie an Fläche bringen. Der Tonna-Mast allein steuert 3 Stationen bei, die ohne ihn fehlen würden.
In drei Dimensionen
Derselbe Blick für jeden Standort: das Gelände kommt aus dem Laserscan des BEV, darüber liegt das Orthofoto, die beiden Masten stehen mit ihren gerechneten Höhen darauf. Die Schilder am Rand sind Städte — hell heißt über dem Horizont, grau dahinter.
Der Vergleich

Alle Standorte dieser Reihe mit derselben Anlage, derselben Zählregel und denselben Logs — nur so sind die Zahlen vergleichbar. Erreichbar heißt: Horizont unter der Waagrechten und genug Gewinn für die Entfernung (6 dBi bis 300 km, danach 3 dB je weitere 100 km), bei 1 000 Watt auf dem System, mit dem gerade gearbeitet wird. Beide großen Antennen hängen am Rotor — gezählt wird deshalb, was über den ganzen Contest erreichbar ist, nicht was eine feste Stellung gerade abdeckt.
Gezählt wird auf den IARU-Logs 2024/2025 und dem Marconi 2025: die erfassen jedes Land gleich. Die DARC-Liste deckt nur Deutschland ab — sie steht als eigene Spalte daneben, sonst gewinnt jeder Standort, der nach Westen schaut, allein durch die Datenlage.
| Standort | erreichbar | Deutschland | DARC-Liste | ≤ 500 km | Zugang |
|---|---|---|---|---|---|
| Stuhleck · 1 770 m | 1 549 | 326 | 569 | 962 | Auto bis oben |
| Traisner Hütte · 1 304 m | 1 482 | 569 | 988 | 877 | Sessellift, dann zu Fuß |
| Grünberg · 989 m | 1 417 | 700 | 1 271 | 826 | Seilbahn, Gasthaus |
| Feuerkogelhaus · 1 591 m | 1 302 | 588 | 1 056 | 726 | Seilbahn, Gasthaus |
| Braunsberg · 337 m | 1 172 | 454 | 814 | 740 | Auto bis oben |
| Gaisberg · 1 272 m | 1 055 | 628 | 1 199 | 618 | Auto bis oben |
| Hochkar · 1 478 m | 438 | 321 | 559 | 247 | Auto bis oben |
| Loser · 1 585 m | 0 | 0 | 0 | 0 | Auto bis oben |
Grünberg steht damit auf Platz 3 von 8.
Wer die älteren Beiträge dieser Reihe kennt, findet dort andere Zahlen: Die wurden mit der ersten Bestückung gerechnet — ein Yagi-Stack und ein Vierfachquad-Stack mit 69° Keulenbreite. Seit die Wahl auf zwei schmale 12JXX2-Stacks gefallen ist, verschiebt sich die Reihenfolge: Mehr Gewinn, weniger Breite bevorzugt die Standorte, deren Stationen in einer Richtung gebündelt liegen, und kostet die, die rundum offen sind. Die festen Tonnas auf Mast 3 holen einen Teil dieser Breite zurück.
Die Daten
| Standort | Grünberg — Rücken westlich hinter dem Gasthaus |
| Koordinaten | 47,89829 N / 13,82024 O · 989 m · JN67VV |
| Zugang | Seilbahn, Gasthaus am Platz |
| Horizont frei | 268°–82° |
| Grad frei / knapp / zu | 137° / 44° / 179° |
| Stationen ≤ 700 km | 1 103 frei, 314 knapp, von 2 134 |
| Deutschland (IARU) | 590 frei, 110 knapp, von 701 |
| Deutschland (DARC-Liste) | 1 324 unter der Waagrechten von 1 325 |
| Anlage | drei Masten · Mast 1 10 m (2 × 12JXX2 auf 6,9/9,7 m, Rotor) · Mast 2 7 m (2 × 12JXX2 auf 3,9/6,7 m, Rotor) · Mast 3 7 m (2 × 9-el-Tonna auf 3,9/6,7 m, fest) |
| Stellungen | DL-Stack 304° / 346° / 286° · Rotor-Stack 42° / 70° / 16° · Tonna fest 250° |
| umgeschaltet · 1 000 W | 1 417 · ≤ 500 km 826 · DL 700 · mit drei festen Stellungen je Rotor 1 376 |
| geteilt · je 500 W | 1 132 · ≤ 500 km 826 · DL 544 |
| alle drei zugleich · je 333 W | 869 · ≤ 500 km 809 · DL 407 |
| ohne den Tonna-Mast | 1 373 statt 1 376 |
| Σ Kilometer | 623 181 km |
| mit strengem Maß | nur Richtungen unter −0,3°: 836 · ≤ 500 km 634 · DL 416 |
Was das heißt
Nach Deutschland ist der Grünberg rundum offen, München eingeschlossen: Nürnberg −0,61°, Köln −0,59°, Stuttgart −0,60°, Frankfurt −0,50°, München −0,45°, Erfurt −0,44°, Berlin −0,36°, Passau −0,41°. Knapp wird es nur nach Rosenheim (−0,08°, der Hongar) und nach Sachsen — Dresden −0,19°, Leipzig −0,26° — wo der Böhmerwald fast bis an die Waagrechte reicht.
Gegen den Feuerkogel gerechnet: dort ist der Norden ein halbes Grad tiefer, dafür München hinter der eigenen Kuppe verschwunden. Hier ist alles flacher, aber nichts zu. Für die Masse der deutschen Stationen — Bayern, Franken, Baden-Württemberg — ist der Grünberg damit der ausgeglichenere Platz; für die weiten Wege nach Norden ist der Feuerkogel der bessere.
Nach Süden gibt es nichts zu holen, und das ist keine Überraschung, wenn man einmal von der Terrasse aus zum Traunstein hinaufgeschaut hat.
Vorbehalt
Rechnung, keine Messung — Geländemodell mit dreißig Meter Raster, ohne Bäume, ohne Gebäude, Standardatmosphäre. Der Rücken des Grünbergs ist bewaldet; wo genau die Antenne über die Bäume kommt, entscheidet vor Ort mehr als jedes Zehntelgrad in dieser Tabelle.
73 · OE5SOS