Was das Hochkar sieht
Die Hochkar Alpenstraße endet auf 1 478 Metern — der höchste Punkt in Niederösterreich, den man mit dem Auto erreicht. Von dort gibt es genau ein Fenster: 48 Grad breit, nach Nordwesten, tief. Alles andere ist der Kessel des Skigebiets.
Der vierte Standort, und der erste außerhalb des Salzkammerguts: das Hochkar bei Göstling an der Ybbs, 1 808 Meter, mit der Hochkar Alpenstraße hinauf zum Skigebiet. Die Mautstraße endet beim Hochkarhof auf 1 478 Metern, JN77LR — höher kommt man in Niederösterreich mit dem Auto nicht. Genau dieser Punkt ist gerechnet: der Parkplatz am Straßenende.
Wie
Die Methode wie bei allen Standorten dieser Reihe: SRTM-Geländemodell, ein Strahl je Grad bis 500 Kilometer, zehn Meter Antennenhöhe, Erdkrümmung mit dem 4/3-Radius, Namen der Hindernisse aus der Wikipedia. Ausführlich steht sie im Feuerkogel-Beitrag. Dazu der Laserscan des BEV für die ersten 140 Meter rund um den Platz und die Contestlogs darübergelegt.
Drei Klassen: frei heißt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten, knapp zwischen −0,3° und null, zu heißt Gelände über der Waagrechten.
Dazu ein Raster von 400 Metern rund um den Parkplatz, um zu sehen, ob eine Ecke des Platzes besser ist als die andere.
Rundum

Der Parkplatz liegt in einem Kessel. Nach Süden und Südwesten steht der Hochkar-Kamm mit dem Gipfel, 400 bis 1 200 Meter entfernt, +12° bis +19°. Nach Osten die Rücken des Skigebiets, 600 Meter, +8° bis +15°. Nach Norden und Nordosten noch einmal ein Rücken in 600 bis 900 Metern, +1° bis +13°. Nach Westen, wo München und Stuttgart liegen, eine Kuppe in 900 Metern mit +3° bis +5°.
Frei ist nur ein Keil von 310° bis 358° — aber der ist gut: −0,4 bis −0,8°, gebildet vom Königsberg in neun Kilometern und weiter draußen vom Böhmerwald und dem Bayerischen Wald in 100 bis 175 Kilometern. Das ist die Richtung nach Passau, Erfurt, Leipzig, Berlin und Dresden.
| Richtung | Was den Horizont setzt | Entfernung | Winkel |
|---|---|---|---|
| 0–59° | Rücken nördlich und nordöstlich des Parkplatzes | 0,6–0,9 km | +1…+13° |
| 60–149° | Rücken des Skigebiets nach Osten | 0,6–1,0 km | +7…+15° |
| 150–239° | Hochkar-Kamm und Gipfel | 0,3–1,2 km | +12…+19° |
| 240–299° | Kuppe westlich des Parkplatzes | 0,1–0,9 km | +2,8…+13° |
| 300–309° | dieselbe Kuppe, auslaufend | 0,9 km | +0,1…+2,5° |
| 310–358° | frei — Königsberg, Böhmerwald, Bayerischer Wald | 9–175 km | −0,4…−0,8° |
Die Rasterung rund um den Parkplatz ändert daran nichts: innerhalb des Platzes liegen alle Punkte gleich. Besser wird es erst 400 Meter bergauf auf der Piste, auf 1 640 Metern — und dahin fährt kein Auto.
Der Platz

Das Gelände der ersten 136 Meter rund um den Platz kommt aus dem Laserscan des BEV mit vier Meter Raster — Bäume, Gebäude und Kuppen inbegriffen. Der Boden am Mast liegt bei 1503,2 Metern.
| Antennenhöhe | Richtungen, die das Nahfeld sperrt |
|---|---|
| 6 m | 54° |
| 8 m | 39° |
| 10 m | 39° |
| 12 m | 32° |
| 15 m | 31° |
Auch mit zehn Metern Mast sperrt das Nahfeld noch 39 Grad — das ist zusätzlich zu dem, was der Fernhorizont ohnehin zumacht.
Der Gipfel

Wie am Loser sitzt die gute Aussicht 330 Höhenmeter über dem Parkplatz. Vom Hochkar-Gipfel, 1 808 Meter, ist es von 282° über Nord bis 52° frei, −0,3 bis −1,1°: München −0,53°, Stuttgart −0,46°, Nürnberg −1,03°, Köln −0,99°, Erfurt −0,74°, Berlin −0,79°, Dresden −0,75°. Nach Osten und Süden machen Dürrenstein, Hochschwab und die Ennstaler Alpen zu, +0,2 bis +1,1°, mit knappen Lücken Richtung Rax und Schneeberg. Ein Nordwest-Platz erster Güte — mit dem Lift oder zu Fuß, nicht mit dem Auto.
Die Karte

Bis 700 Kilometer
Von den 78 Gebirgen auf der Übersicht bis 800 Kilometer ragt vom Parkplatz aus keines über die Waagrechte, das nicht ohnehin hinter dem Kessel verschwindet. Beide Karten als PDF: Zoom 180 km und Übersicht 800 km.
Die Stationen

Von den 2 088 Stationen, die in den Logs bis 700 Kilometer auftauchen, stehen 438 über dem Horizont — Deutschland 321 von 610. Das ist die Obergrenze: mehr kann keine Antenne herausholen, egal wie groß sie ist.
Die Zahl hat aber zwei Hälften. Wirklich frei — der Horizont liegt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten — sind 438 Stationen, davon 321 in Deutschland. Die übrigen 0 liegen knapp: zwischen −0,3° und null, also im Streifschatten einer Kante. Dort geht etwas, aber mit Verlust — drei bis acht Dezibel, je nach Tag. Der Beitrag nennt beide Zahlen, weil nur beide zusammen den Platz beschreiben. Von den 49 Grad, die frei sind, kommen 0 Grad knappe dazu.
Die Anlage

Gerechnet ist überall dieselbe Anlage wie am Stuhleck, mit drei Masten:
- Mast 2, 7 Meter, Rotor: zwei 12JXX2 gestockt auf 3,9 und 6,7 m — der Stack, der nach Deutschland schaut.
- Mast 1, 10 Meter, Rotor: zwei 12JXX2 gestockt auf 6,9 und 9,7 m, 34° breit, 17,8 dBi.
- Mast 3, 7 Meter, ohne Rotor: zwei gestockte 9-Element-Tonna auf 3,9 und 6,7 m, 44° breit, 14,3 dBi — fest auf eine Richtung.
Die Stellungen sind nicht geraten, sondern gesucht: Für Hochkar fallen sie auf 338° / 318° / 348° am DL-Stack, 328° / 0° / 312° am Rotor-Stack und 0° für die festen Tonnas.
Gespeist wird über einen Umschalter. Liegen die vollen 1 000 Watt auf dem System, auf dem gerade gearbeitet wird, und drehen die beiden Rotoren über den Contest, kommt die Anlage auf 438 Stationen (Deutschland 321, nach der DARC-Liste 559). Teilt man die Leistung auf die beiden Rotor-Stacks, also 500 Watt je Stack, sind es 334; mit nur drei festen Stellungen je Rotor 438; auf alle drei Systeme zugleich verteilt nur noch 267 — drei Richtungen kosten mehr Leistung, als sie an Fläche bringen. Der Tonna-Mast allein steuert 0 Stationen bei, die ohne ihn fehlen würden.
In drei Dimensionen
Derselbe Blick für jeden Standort: das Gelände kommt aus dem Laserscan des BEV, darüber liegt das Orthofoto, die beiden Masten stehen mit ihren gerechneten Höhen darauf. Die Schilder am Rand sind Städte — hell heißt über dem Horizont, grau dahinter.
Der Vergleich

Alle Standorte dieser Reihe mit derselben Anlage, derselben Zählregel und denselben Logs — nur so sind die Zahlen vergleichbar. Erreichbar heißt: Horizont unter der Waagrechten und genug Gewinn für die Entfernung (6 dBi bis 300 km, danach 3 dB je weitere 100 km), bei 1 000 Watt auf dem System, mit dem gerade gearbeitet wird. Beide großen Antennen hängen am Rotor — gezählt wird deshalb, was über den ganzen Contest erreichbar ist, nicht was eine feste Stellung gerade abdeckt.
Gezählt wird auf den IARU-Logs 2024/2025 und dem Marconi 2025: die erfassen jedes Land gleich. Die DARC-Liste deckt nur Deutschland ab — sie steht als eigene Spalte daneben, sonst gewinnt jeder Standort, der nach Westen schaut, allein durch die Datenlage.
| Standort | erreichbar | Deutschland | DARC-Liste | ≤ 500 km | Zugang |
|---|---|---|---|---|---|
| Stuhleck · 1 770 m | 1 549 | 326 | 569 | 962 | Auto bis oben |
| Traisner Hütte · 1 304 m | 1 482 | 569 | 988 | 877 | Sessellift, dann zu Fuß |
| Grünberg · 989 m | 1 417 | 700 | 1 271 | 826 | Seilbahn, Gasthaus |
| Feuerkogelhaus · 1 591 m | 1 302 | 588 | 1 056 | 726 | Seilbahn, Gasthaus |
| Braunsberg · 337 m | 1 172 | 454 | 814 | 740 | Auto bis oben |
| Gaisberg · 1 272 m | 1 055 | 628 | 1 199 | 618 | Auto bis oben |
| Hochkar · 1 478 m | 438 | 321 | 559 | 247 | Auto bis oben |
| Loser · 1 585 m | 0 | 0 | 0 | 0 | Auto bis oben |
Hochkar steht damit auf Platz 7 von 8.
Wer die älteren Beiträge dieser Reihe kennt, findet dort andere Zahlen: Die wurden mit der ersten Bestückung gerechnet — ein Yagi-Stack und ein Vierfachquad-Stack mit 69° Keulenbreite. Seit die Wahl auf zwei schmale 12JXX2-Stacks gefallen ist, verschiebt sich die Reihenfolge: Mehr Gewinn, weniger Breite bevorzugt die Standorte, deren Stationen in einer Richtung gebündelt liegen, und kostet die, die rundum offen sind. Die festen Tonnas auf Mast 3 holen einen Teil dieser Breite zurück.
Die Daten
| Standort | Hochkar — Parkplatz am Ende der Alpenstraße |
| Koordinaten | 47,71884 N / 14,91741 O · 1 478 m · JN77LR |
| Zugang | Straße bis zum Platz |
| Horizont frei | 310°–358° |
| Grad frei / knapp / zu | 49° / 0° / 311° |
| Stationen ≤ 700 km | 438 frei, 0 knapp, von 2 088 |
| Deutschland (IARU) | 321 frei, 0 knapp, von 610 |
| Deutschland (DARC-Liste) | 562 unter der Waagrechten von 1 125 |
| Anlage | drei Masten · Mast 1 10 m (2 × 12JXX2 auf 6,9/9,7 m, Rotor) · Mast 2 7 m (2 × 12JXX2 auf 3,9/6,7 m, Rotor) · Mast 3 7 m (2 × 9-el-Tonna auf 3,9/6,7 m, fest) |
| Stellungen | DL-Stack 338° / 318° / 348° · Rotor-Stack 328° / 0° / 312° · Tonna fest 0° |
| umgeschaltet · 1 000 W | 438 · ≤ 500 km 247 · DL 321 · mit drei festen Stellungen je Rotor 438 |
| geteilt · je 500 W | 334 · ≤ 500 km 247 · DL 226 |
| alle drei zugleich · je 333 W | 267 · ≤ 500 km 247 · DL 162 |
| ohne den Tonna-Mast | 438 statt 438 |
| Σ Kilometer | 196 655 km |
| mit strengem Maß | nur Richtungen unter −0,3°: 334 · ≤ 500 km 247 · DL 226 |
Was das heißt
Vom Auto aus ist das Hochkar ein Ein-Richtungs-Platz: Passau −0,77°, Erfurt −0,56°, Berlin −0,59°, Dresden −0,55°, Hannover −0,51°, Kassel −0,70°, Dortmund −0,71° — alles, was zwischen 310° und 358° liegt, geht so gut wie vom Feuerkogel. Aber Nürnberg (+0,47°), Köln (+0,82°), Frankfurt (+1,7°), München (+3,4°) und Stuttgart (+5,0°) stehen hinter der Kuppe im Westen, und die Masse der deutschen UKW-Stationen sitzt genau dort. Für einen Contest reicht das nicht; für gezielte Verbindungen nach Ostdeutschland ist es ein sehr tiefer Horizont.
Wer den Gipfel nimmt, hat den besten Nordwest-Horizont dieser vier Standorte. Vom Parkplatz aus bleiben Grünberg und Feuerkogel die Adressen für Deutschland.
Vorbehalt
Rechnung, keine Messung. Der Kessel ist ein Nahbereichsproblem — Rücken in 300 bis 900 Metern, dreißig Meter Raster: die Größenordnung stimmt, das einzelne Grad nicht. Die Wikipedia-Namen der nahen Hindernisse auf den Karten sind das jeweils nächstgelegene Stichwort, nicht immer der Rücken selbst.
73 · OE5SOS