Was die Traisner Hütte sieht
Der fünfte Standort, und der erste ohne Loch nach Deutschland: die Traisner Hütte auf der Hinteralm bei Lilienfeld, 1 311 Meter. Von 264° über Nord bis 101° steht nichts im Weg — München, Nürnberg, Köln, Berlin, alle unter der Waagrechten. Zu ist nur der Süden, und der ist weit weg.
Die Traisner Hütte steht auf der Hinteralm, einen Kilometer südlich des Muckenkogels, hoch über Lilienfeld: 1922 von den Naturfreunden gebaut, 1 311 Meter, JN77TX. Das Geländemodell sagt für den Punkt 1 304 Meter, die Antenne rechnet zehn Meter darüber. Die Hütte steht in der Standortliste meines Contest-Loggers — gerechnet hatte ich sie noch nie.
Eine öffentliche Straße hinauf gibt es nicht. Die Wikipedia nennt den Sessellift auf den Muckenkogel und dann 45 Minuten zu Fuß, oder zweieinhalb Stunden von Lilienfeld. OpenStreetMap kennt nur Forststraßen: Schotter bis sechzig Meter an die Hütte, ein Stück beim Lift ausdrücklich gesperrt. Ob ein Auto hinaufdarf, entscheidet nicht das Geländemodell.
Wie
Die Methode wie bei allen Standorten dieser Reihe: SRTM-Geländemodell, ein Strahl je Grad bis 500 Kilometer, zehn Meter Antennenhöhe, Erdkrümmung mit dem 4/3-Radius, Namen der Hindernisse aus der Wikipedia. Ausführlich steht sie im Feuerkogel-Beitrag. Dazu der Laserscan des BEV für die ersten 140 Meter rund um den Platz und die Contestlogs darübergelegt.
Drei Klassen: frei heißt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten, knapp zwischen −0,3° und null, zu heißt Gelände über der Waagrechten.
Dazu ein Raster von 400 Metern rund um die Hütte.
Rundum

Das Bild ist anders als bei den vier Standorten davor: rundum kommt nichts über anderthalb Grad. Die Hütte steht auf der Kuppe, und das einzige Hindernis in der Nähe ist die Reisalpe.
Von 264° über Nord bis 101° ist es frei, 198 Grad am Stück, −0,3 bis −0,96° — nur bei 91° streift der Hochstaff die Marke, mit −0,29°. Nach Westen und Nordwesten bilden die Oberösterreichischen Voralpen, der Hausruck, das Mühlviertel, der Böhmerwald und das Waldviertel den Horizont, 45 bis 156 Kilometer weit weg. Nach Norden und Osten liegt er noch weiter draußen: Böhmisch-Mährische Höhe, Pollauer Berge, Leiser Berge, Kleine und Weiße Karpaten, meist 90 bis 260 Kilometer, −0,7 bis −0,96°. Dazu kommen zwei kleinere Fenster: 106° bis 108° und 123° bis 138°, über die Dürre Wand nach Südosten.
Zu ist es von 141° bis 252° — aber nicht durch einen Rücken vor der Tür, sondern durch die großen Berge im Süden, alle 21 bis 122 Kilometer entfernt: Schneeberg +1,5°, Rax +1,1°, Schneealpe +1,0°, Göller und Gippel +1,1°, Hochschwab +0,8°, Ötscher +0,9°. Die einzige Ausnahme in der Nähe ist die Reisalpe, vier Kilometer südöstlich und knapp neunzig Meter höher: sie macht 109° bis 121° zu, mit höchstens +1,0°.
| Richtung | Was den Horizont setzt | Entfernung | Winkel |
|---|---|---|---|
| 264–359° | frei — Oberösterreichische Voralpen, Hausruck, Mühlviertel, Böhmerwald, Waldviertel | 45–156 km | −0,3…−0,8° |
| 0–88° | frei — Böhmisch-Mährische Höhe, Pollauer Berge, Leiser Berge, Kleine und Weiße Karpaten | 90–260 km | −0,7…−1,0° |
| 89–101° | frei — Hochstaff, Almesbrunnberg, Unterberg | 6–24 km | −0,3…−0,9° |
| 102–105° | Unterberg, knapp | 16 km | −0,05…−0,3° |
| 109–121° | Reisalpe | 4 km | +0,1…+1,0° |
| 123–138° | frei — Dürre Wand, Öhler, Schober | 24–30 km | −0,3…−0,6° |
| 141–152° | Schneeberg | 24–31 km | +0,1…+1,5° |
| 153–201° | Wechsel, Rax, Schneealpe, Hohe Veitsch | 21–57 km | +0,1…+1,1° |
| 202–213° | Göller, Gippel, Tonion | 21–34 km | +0,3…+1,1° |
| 214–229° | Hochschwab-Gruppe: Aflenzer Staritzen, Seeberg | 44–62 km | +0,4…+0,8° |
| 230–240° | Ennstaler Alpen, Kräuterin, Gemeindealpe | 33–106 km | +0,1…+0,35° |
| 241–249° | Dürrenstein, Hochkar, Ötscher | 33–60 km | +0,2…+0,9° |
| 250–257° | Totes Gebirge: Warscheneck, Hochmölbing, Großer Hochkasten | 69–122 km | +0,0…+0,1° |
| 258–263° | Sengsengebirge, Kasberg, Höllengebirge — knapp | 98–145 km | −0,0…−0,3° |
Das Raster rund um die Hütte bestätigt, was die Kuppe vermuten lässt: die Hütte selbst ist der höchste Punkt, jeder der 289 Rasterpunkte in 400 Metern Umkreis liegt gleich oder tiefer. Im ganzen Sektor von 270° über Nord bis 30° ist von der Hütte aus keine einzige Peilung zu — null von 41.
Der Platz

Das Gelände der ersten 136 Meter rund um den Platz kommt aus dem Laserscan des BEV mit vier Meter Raster — Bäume, Gebäude und Kuppen inbegriffen. Der Boden am Mast liegt bei 1312,9 Metern.
| Antennenhöhe | Richtungen, die das Nahfeld sperrt |
|---|---|
| 6 m | 82° |
| 8 m | 25° |
| 10 m | keine |
| 12 m | keine |
| 15 m | keine |
Mit zehn Metern Mast ist der Platz in allen 360 Richtungen frei vom eigenen Nahfeld. Was von hier aus zu ist, macht das Gelände in der Ferne zu, nicht der Platz selbst.
Bergstation und Muckenkogel
Wer den Lift nimmt und nicht bis zur Hütte geht, verliert weniger, als man denkt. Die Bergstation des Muckenkogel-Sesselliftes, 1 114 Meter, 1,4 Kilometer nördlich: München −0,49°, Nürnberg −0,50°, Köln −0,47°, Erfurt −0,34°, Berlin −0,61°, Stuttgart −0,75°, eine von 41 Peilungen im Deutschland-Sektor zu. Der Muckenkogel-Gipfel, 1 248 Meter: München −0,71°, Nürnberg −0,57°, Köln −0,53°, Berlin −0,67°, alles frei. Der ganze Rücken funktioniert; die Hütte ist sein bester Punkt.
Die Karte

Zwei Details am Westrand. Bei 264° bildet das Höllengebirge den Horizont, 145 bis 148 Kilometer weit, −0,3° — und genau auf dieser Peilung, 142 Kilometer entfernt, steht das Feuerkogelhaus: von der Traisner Hütte aus liegt es direkt auf der Sichtlinie, −0,37°. Und bei 241° ragt das Hochkar über die Waagrechte, 60 Kilometer, +0,23°: den Gipfel sieht man, den Parkplatz nicht.
Bis 700 Kilometer
Von den 78 Gebirgen auf der Übersicht bis 800 Kilometer ragen vier über die Waagrechte, alle im Süden: Schneeberg +1,53°, Ötscher +0,91°, Hochschwab +0,87°, Hochwechsel +0,26°. Nach Norden bildet die Böhmisch-Mährische Höhe den Horizont (Javořice, 131 km, −0,65°), nach Nordosten sogar der Altvater — der Praděd in 262 Kilometern, −0,85°. Alles andere liegt darunter: Riesengebirge −0,98°, Hohe Tatra −0,99°, Erzgebirge −1,15°, Harz −1,89°, Eifel −2,34°. Beide Karten als PDF: Zoom 180 km und Übersicht 800 km.
Die Stationen

Von den 2 045 Stationen, die in den Logs bis 700 Kilometer auftauchen, stehen 1 482 über dem Horizont — Deutschland 569 von 569. Das ist die Obergrenze: mehr kann keine Antenne herausholen, egal wie groß sie ist.
Die Zahl hat aber zwei Hälften. Wirklich frei — der Horizont liegt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten — sind 1 460 Stationen, davon 569 in Deutschland. Die übrigen 22 liegen knapp: zwischen −0,3° und null, also im Streifschatten einer Kante. Dort geht etwas, aber mit Verlust — drei bis acht Dezibel, je nach Tag. Der Beitrag nennt beide Zahlen, weil nur beide zusammen den Platz beschreiben. Von den 217 Grad, die frei sind, kommen 14 Grad knappe dazu.
Die Anlage

Gerechnet ist überall dieselbe Anlage wie am Stuhleck, mit drei Masten:
- Mast 2, 7 Meter, Rotor: zwei 12JXX2 gestockt auf 3,9 und 6,7 m — der Stack, der nach Deutschland schaut.
- Mast 1, 10 Meter, Rotor: zwei 12JXX2 gestockt auf 6,9 und 9,7 m, 34° breit, 17,8 dBi.
- Mast 3, 7 Meter, ohne Rotor: zwei gestockte 9-Element-Tonna auf 3,9 und 6,7 m, 44° breit, 14,3 dBi — fest auf eine Richtung.
Die Stellungen sind nicht geraten, sondern gesucht: Für Traisner Hütte fallen sie auf 298° / 336° / 280° am DL-Stack, 34° / 74° / 122° am Rotor-Stack und 4° für die festen Tonnas.
Gespeist wird über einen Umschalter. Liegen die vollen 1 000 Watt auf dem System, auf dem gerade gearbeitet wird, und drehen die beiden Rotoren über den Contest, kommt die Anlage auf 1 482 Stationen (Deutschland 569, nach der DARC-Liste 988). Teilt man die Leistung auf die beiden Rotor-Stacks, also 500 Watt je Stack, sind es 1 153; mit nur drei festen Stellungen je Rotor 1 378; auf alle drei Systeme zugleich verteilt nur noch 923 — drei Richtungen kosten mehr Leistung, als sie an Fläche bringen. Der Tonna-Mast allein steuert 15 Stationen bei, die ohne ihn fehlen würden.
In drei Dimensionen
Derselbe Blick für jeden Standort: das Gelände kommt aus dem Laserscan des BEV, darüber liegt das Orthofoto, die beiden Masten stehen mit ihren gerechneten Höhen darauf. Die Schilder am Rand sind Städte — hell heißt über dem Horizont, grau dahinter.
Der Vergleich

Alle Standorte dieser Reihe mit derselben Anlage, derselben Zählregel und denselben Logs — nur so sind die Zahlen vergleichbar. Erreichbar heißt: Horizont unter der Waagrechten und genug Gewinn für die Entfernung (6 dBi bis 300 km, danach 3 dB je weitere 100 km), bei 1 000 Watt auf dem System, mit dem gerade gearbeitet wird. Beide großen Antennen hängen am Rotor — gezählt wird deshalb, was über den ganzen Contest erreichbar ist, nicht was eine feste Stellung gerade abdeckt.
Gezählt wird auf den IARU-Logs 2024/2025 und dem Marconi 2025: die erfassen jedes Land gleich. Die DARC-Liste deckt nur Deutschland ab — sie steht als eigene Spalte daneben, sonst gewinnt jeder Standort, der nach Westen schaut, allein durch die Datenlage.
| Standort | erreichbar | Deutschland | DARC-Liste | ≤ 500 km | Zugang |
|---|---|---|---|---|---|
| Stuhleck · 1 770 m | 1 549 | 326 | 569 | 962 | Auto bis oben |
| Traisner Hütte · 1 304 m | 1 482 | 569 | 988 | 877 | Sessellift, dann zu Fuß |
| Grünberg · 989 m | 1 417 | 700 | 1 271 | 826 | Seilbahn, Gasthaus |
| Feuerkogelhaus · 1 591 m | 1 302 | 588 | 1 056 | 726 | Seilbahn, Gasthaus |
| Braunsberg · 337 m | 1 172 | 454 | 814 | 740 | Auto bis oben |
| Gaisberg · 1 272 m | 1 055 | 628 | 1 199 | 618 | Auto bis oben |
| Hochkar · 1 478 m | 438 | 321 | 559 | 247 | Auto bis oben |
| Loser · 1 585 m | 0 | 0 | 0 | 0 | Auto bis oben |
Traisner Hütte steht damit auf Platz 2 von 8.
Wer die älteren Beiträge dieser Reihe kennt, findet dort andere Zahlen: Die wurden mit der ersten Bestückung gerechnet — ein Yagi-Stack und ein Vierfachquad-Stack mit 69° Keulenbreite. Seit die Wahl auf zwei schmale 12JXX2-Stacks gefallen ist, verschiebt sich die Reihenfolge: Mehr Gewinn, weniger Breite bevorzugt die Standorte, deren Stationen in einer Richtung gebündelt liegen, und kostet die, die rundum offen sind. Die festen Tonnas auf Mast 3 holen einen Teil dieser Breite zurück.
Die Daten
| Standort | Traisner Hütte — Hinteralm bei Lilienfeld |
| Koordinaten | 47,97192 N / 15,61055 O · 1 304 m · JN77TX |
| Zugang | Sessellift, dann zu Fuß |
| Horizont frei | 258°–108°, 122°–140° |
| Grad frei / knapp / zu | 217° / 14° / 129° |
| Stationen ≤ 700 km | 1 460 frei, 22 knapp, von 2 045 |
| Deutschland (IARU) | 569 frei, 0 knapp, von 569 |
| Deutschland (DARC-Liste) | 1 045 unter der Waagrechten von 1 045 |
| Anlage | drei Masten · Mast 1 10 m (2 × 12JXX2 auf 6,9/9,7 m, Rotor) · Mast 2 7 m (2 × 12JXX2 auf 3,9/6,7 m, Rotor) · Mast 3 7 m (2 × 9-el-Tonna auf 3,9/6,7 m, fest) |
| Stellungen | DL-Stack 298° / 336° / 280° · Rotor-Stack 34° / 74° / 122° · Tonna fest 4° |
| umgeschaltet · 1 000 W | 1 482 · ≤ 500 km 877 · DL 569 · mit drei festen Stellungen je Rotor 1 378 |
| geteilt · je 500 W | 1 153 · ≤ 500 km 877 · DL 420 |
| alle drei zugleich · je 333 W | 923 · ≤ 500 km 844 · DL 284 |
| ohne den Tonna-Mast | 1 363 statt 1 378 |
| Σ Kilometer | 639 312 km |
| mit strengem Maß | nur Richtungen unter −0,3°: 1 026 · ≤ 500 km 827 · DL 384 |
Was das heißt
Zum ersten Mal in dieser Reihe ist jede der dreißig deutschen Städte unter der Waagrechten: Stuttgart −0,82°, München −0,75°, Passau −0,73°, Berlin −0,70°, Dresden −0,70°, Hamburg −0,63°, Leipzig −0,62°, Frankfurt −0,62°, Nürnberg −0,61°, Köln −0,59°, Rosenheim −0,56°, Hannover −0,50°, Erfurt −0,49°, Kassel −0,47°. Der Feuerkogel schaut nach Nordwesten tiefer — er steht 280 Meter höher —, hat aber sein Loch Richtung München und Stuttgart. Der Grünberg ist flach, das Hochkar ein Fenster, der Loser zu. Die Traisner Hütte hat kein Loch.
Dazu der Osten, den keiner der vier anderen hatte: Wien −1,2°, Bratislava −0,82°, Brünn −0,87°, Budapest −0,58°, Krakau −0,86°, Warschau −0,80°. Zu bleiben Graz +0,68°, Klagenfurt +0,34°, Ljubljana +0,75°, Zagreb +0,11°; Innsbruck liegt mit −0,06° genau auf der Kante.
Für einen Contest ist das der Standort, den man sich wünscht: nach Deutschland, Tschechien, Polen, in die Slowakei und nach Ungarn kein Sektor, den man abschreiben muss. Was fehlt, ist der Süden — Slowenien, Kroatien und die Poebene stehen hinter Hochschwab und Totem Gebirge. Der Preis ist die Höhe, 1 311 Meter statt 1 591, und der Weg hinauf.
Vorbehalt
Rechnung, keine Messung. Das Geländemodell kennt weder Bäume noch die Hütte selbst noch den Lift, es hat ein Raster von dreißig Metern, und die Ausbreitung nimmt eine Standardatmosphäre an. Die Reisalpe in vier Kilometern ist das einzige Nahfeld-Hindernis, alles andere liegt weit genug weg, dass das einzelne Grad stimmt. Die Wikipedia-Namen auf den Karten sind das jeweils nächstgelegene Stichwort — im Süden oft eine Hütte statt des Berges.
Der Rest wird gemessen — oben, mit Antenne.
73 · OE5SOS