Was die Traisner Hütte sieht

17. September 2026

Der fünfte Standort, und der erste ohne Loch nach Deutschland: die Traisner Hütte auf der Hinteralm bei Lilienfeld, 1 311 Meter. Von 264° über Nord bis 101° steht nichts im Weg — München, Nürnberg, Köln, Berlin, alle unter der Waagrechten. Zu ist nur der Süden, und der ist weit weg.

Dunkle Karte 700 Kilometer um die Traisner Hütte mit Staatsgrenzen: ein breiter grüner Fächer von Westen über Norden bis Osten, bis nach Oberösterreich, Böhmen, Mähren und in die Karpaten, bernstein und kurz nur nach Süden; dazu die Zahlen 264° bis 101° frei, 141° bis 252° zu
1 311 m · JN77TX

Die Traisner Hütte steht auf der Hinteralm, einen Kilometer südlich des Muckenkogels, hoch über Lilienfeld: 1922 von den Naturfreunden gebaut, 1 311 Meter, JN77TX. Das Geländemodell sagt für den Punkt 1 304 Meter, die Antenne rechnet zehn Meter darüber. Die Hütte steht in der Standortliste meines Contest-Loggers — gerechnet hatte ich sie noch nie.

Eine öffentliche Straße hinauf gibt es nicht. Die Wikipedia nennt den Sessellift auf den Muckenkogel und dann 45 Minuten zu Fuß, oder zweieinhalb Stunden von Lilienfeld. OpenStreetMap kennt nur Forststraßen: Schotter bis sechzig Meter an die Hütte, ein Stück beim Lift ausdrücklich gesperrt. Ob ein Auto hinaufdarf, entscheidet nicht das Geländemodell.

Wie

Die Methode wie bei allen Standorten dieser Reihe: SRTM-Geländemodell, ein Strahl je Grad bis 500 Kilometer, zehn Meter Antennenhöhe, Erdkrümmung mit dem 4/3-Radius, Namen der Hindernisse aus der Wikipedia. Ausführlich steht sie im Feuerkogel-Beitrag. Dazu der Laserscan des BEV für die ersten 140 Meter rund um den Platz und die Contestlogs darübergelegt.

Drei Klassen: frei heißt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten, knapp zwischen −0,3° und null, zu heißt Gelände über der Waagrechten.

Dazu ein Raster von 400 Metern rund um die Hütte.

Rundum

Polardiagramm des Radiohorizonts von der Traisner Hütte: von Westen über Norden bis Osten grün, nach Süden ein roter Kranz, der nirgends über anderthalb Grad hinauskommt

Das Bild ist anders als bei den vier Standorten davor: rundum kommt nichts über anderthalb Grad. Die Hütte steht auf der Kuppe, und das einzige Hindernis in der Nähe ist die Reisalpe.

Von 264° über Nord bis 101° ist es frei, 198 Grad am Stück, −0,3 bis −0,96° — nur bei 91° streift der Hochstaff die Marke, mit −0,29°. Nach Westen und Nordwesten bilden die Oberösterreichischen Voralpen, der Hausruck, das Mühlviertel, der Böhmerwald und das Waldviertel den Horizont, 45 bis 156 Kilometer weit weg. Nach Norden und Osten liegt er noch weiter draußen: Böhmisch-Mährische Höhe, Pollauer Berge, Leiser Berge, Kleine und Weiße Karpaten, meist 90 bis 260 Kilometer, −0,7 bis −0,96°. Dazu kommen zwei kleinere Fenster: 106° bis 108° und 123° bis 138°, über die Dürre Wand nach Südosten.

Zu ist es von 141° bis 252° — aber nicht durch einen Rücken vor der Tür, sondern durch die großen Berge im Süden, alle 21 bis 122 Kilometer entfernt: Schneeberg +1,5°, Rax +1,1°, Schneealpe +1,0°, Göller und Gippel +1,1°, Hochschwab +0,8°, Ötscher +0,9°. Die einzige Ausnahme in der Nähe ist die Reisalpe, vier Kilometer südöstlich und knapp neunzig Meter höher: sie macht 109° bis 121° zu, mit höchstens +1,0°.

RichtungWas den Horizont setztEntfernungWinkel
264–⁠359°frei — Oberösterreichische Voralpen, Hausruck, Mühlviertel, Böhmerwald, Waldviertel45–156 km−0,3…⁠−0,8°
0–⁠88°frei — Böhmisch-Mährische Höhe, Pollauer Berge, Leiser Berge, Kleine und Weiße Karpaten90–260 km−0,7…⁠−1,0°
89–⁠101°frei — Hochstaff, Almesbrunnberg, Unterberg6–24 km−0,3…⁠−0,9°
102–⁠105°Unterberg, knapp16 km−0,05…⁠−0,3°
109–⁠121°Reisalpe4 km+0,1…⁠+1,0°
123–⁠138°frei — Dürre Wand, Öhler, Schober24–30 km−0,3…⁠−0,6°
141–⁠152°Schneeberg24–31 km+0,1…⁠+1,5°
153–⁠201°Wechsel, Rax, Schneealpe, Hohe Veitsch21–57 km+0,1…⁠+1,1°
202–⁠213°Göller, Gippel, Tonion21–34 km+0,3…⁠+1,1°
214–⁠229°Hochschwab-Gruppe: Aflenzer Staritzen, Seeberg44–62 km+0,4…⁠+0,8°
230–⁠240°Ennstaler Alpen, Kräuterin, Gemeindealpe33–106 km+0,1…⁠+0,35°
241–⁠249°Dürrenstein, Hochkar, Ötscher33–60 km+0,2…⁠+0,9°
250–⁠257°Totes Gebirge: Warscheneck, Hochmölbing, Großer Hochkasten69–122 km+0,0…⁠+0,1°
258–⁠263°Sengsengebirge, Kasberg, Höllengebirge — knapp98–145 km−0,0…⁠−0,3°

Das Raster rund um die Hütte bestätigt, was die Kuppe vermuten lässt: die Hütte selbst ist der höchste Punkt, jeder der 289 Rasterpunkte in 400 Metern Umkreis liegt gleich oder tiefer. Im ganzen Sektor von 270° über Nord bis 30° ist von der Hütte aus keine einzige Peilung zu — null von 41.

Der Platz

Lageplan des Platzes am Traisner Hütte aus dem Laserscan mit Orthofoto: Höhenlinien alle zwei Meter, die drei Mastplätze und die Strahlrichtungen

Das Gelände der ersten 136 Meter rund um den Platz kommt aus dem Laserscan des BEV mit vier Meter Raster — Bäume, Gebäude und Kuppen inbegriffen. Der Boden am Mast liegt bei 1312,9 Metern.

AntennenhöheRichtungen, die das Nahfeld sperrt
6 m82°
8 m25°
10 mkeine
12 mkeine
15 mkeine

Mit zehn Metern Mast ist der Platz in allen 360 Richtungen frei vom eigenen Nahfeld. Was von hier aus zu ist, macht das Gelände in der Ferne zu, nicht der Platz selbst.

Bergstation und Muckenkogel

Wer den Lift nimmt und nicht bis zur Hütte geht, verliert weniger, als man denkt. Die Bergstation des Muckenkogel-Sesselliftes, 1 114 Meter, 1,4 Kilometer nördlich: München −0,49°, Nürnberg −0,50°, Köln −0,47°, Erfurt −0,34°, Berlin −0,61°, Stuttgart −0,75°, eine von 41 Peilungen im Deutschland-Sektor zu. Der Muckenkogel-Gipfel, 1 248 Meter: München −0,71°, Nürnberg −0,57°, Köln −0,53°, Berlin −0,67°, alles frei. Der ganze Rücken funktioniert; die Hütte ist sein bester Punkt.

Die Karte

Reliefkarte 180 Kilometer um die Traisner Hütte, für jede Peilung ein Strahl bis zu dem Gelände, das den Horizont bildet — grün von Westen über Norden bis Osten weit nach Oberösterreich, Böhmen, Mähren und in die Slowakei, rot nach Süden bis Schneeberg, Rax, Hochschwab und Ötscher

Zwei Details am Westrand. Bei 264° bildet das Höllengebirge den Horizont, 145 bis 148 Kilometer weit, −0,3° — und genau auf dieser Peilung, 142 Kilometer entfernt, steht das Feuerkogelhaus: von der Traisner Hütte aus liegt es direkt auf der Sichtlinie, −0,37°. Und bei 241° ragt das Hochkar über die Waagrechte, 60 Kilometer, +0,23°: den Gipfel sieht man, den Parkplatz nicht.

Bis 700 Kilometer

Karte um die Traisner Hütte mit Staatsgrenzen, zwischen 200 und 700 Kilometer Radius: ein breiter grüner Fächer von Westen über Norden bis Osten, bernstein nur nach Süden bis zu den Kalkalpen
Radius 200 km

Von den 78 Gebirgen auf der Übersicht bis 800 Kilometer ragen vier über die Waagrechte, alle im Süden: Schneeberg +1,53°, Ötscher +0,91°, Hochschwab +0,87°, Hochwechsel +0,26°. Nach Norden bildet die Böhmisch-Mährische Höhe den Horizont (Javořice, 131 km, −0,65°), nach Nordosten sogar der Altvater — der Praděd in 262 Kilometern, −0,85°. Alles andere liegt darunter: Riesengebirge −0,98°, Hohe Tatra −0,99°, Erzgebirge −1,15°, Harz −1,89°, Eifel −2,34°. Beide Karten als PDF: Zoom 180 km und Übersicht 800 km.

Die Stationen

Dunkle Karte 700 Kilometer um Traisner Hütte, jede Contest-Station ein Punkt: hell, wo der Horizont frei ist, bernstein dahinter; dazu die sechs Rotorstellungen der Anlage

Von den 2 045 Stationen, die in den Logs bis 700 Kilometer auftauchen, stehen 1 482 über dem Horizont — Deutschland 569 von 569. Das ist die Obergrenze: mehr kann keine Antenne herausholen, egal wie groß sie ist.

Die Zahl hat aber zwei Hälften. Wirklich frei — der Horizont liegt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten — sind 1 460 Stationen, davon 569 in Deutschland. Die übrigen 22 liegen knapp: zwischen −0,3° und null, also im Streifschatten einer Kante. Dort geht etwas, aber mit Verlust — drei bis acht Dezibel, je nach Tag. Der Beitrag nennt beide Zahlen, weil nur beide zusammen den Platz beschreiben. Von den 217 Grad, die frei sind, kommen 14 Grad knappe dazu.

Die Anlage

Blatt „Die Antennenanlage“: Polardiagramm der Stationen bis 500 Kilometer um Traisner Hütte, je zehn Grad als Balken nach Land gestapelt, dazu die drei Stellungen des DL-Stacks und die drei des Rotor-Stacks

Gerechnet ist überall dieselbe Anlage wie am Stuhleck, mit drei Masten:

Die Stellungen sind nicht geraten, sondern gesucht: Für Traisner Hütte fallen sie auf 298° / 336° / 280° am DL-Stack, 34° / 74° / 122° am Rotor-Stack und 4° für die festen Tonnas.

Gespeist wird über einen Umschalter. Liegen die vollen 1 000 Watt auf dem System, auf dem gerade gearbeitet wird, und drehen die beiden Rotoren über den Contest, kommt die Anlage auf 1 482 Stationen (Deutschland 569, nach der DARC-Liste 988). Teilt man die Leistung auf die beiden Rotor-Stacks, also 500 Watt je Stack, sind es 1 153; mit nur drei festen Stellungen je Rotor 1 378; auf alle drei Systeme zugleich verteilt nur noch 923 — drei Richtungen kosten mehr Leistung, als sie an Fläche bringen. Der Tonna-Mast allein steuert 15 Stationen bei, die ohne ihn fehlen würden.

In drei Dimensionen

Ziehen dreht, das Rad zoomt. Die Regler drehen die beiden Stacks, die Knöpfe springen auf die gerechneten Stellungen. Im Vollbild öffnen

Derselbe Blick für jeden Standort: das Gelände kommt aus dem Laserscan des BEV, darüber liegt das Orthofoto, die beiden Masten stehen mit ihren gerechneten Höhen darauf. Die Schilder am Rand sind Städte — hell heißt über dem Horizont, grau dahinter.

Der Vergleich

Balkendiagramm aller Standorte der Reihe mit derselben Anlage: je Standort ein Balken der erreichbaren Stationen, nach Ländern gestapelt

Alle Standorte dieser Reihe mit derselben Anlage, derselben Zählregel und denselben Logs — nur so sind die Zahlen vergleichbar. Erreichbar heißt: Horizont unter der Waagrechten und genug Gewinn für die Entfernung (6 dBi bis 300 km, danach 3 dB je weitere 100 km), bei 1 000 Watt auf dem System, mit dem gerade gearbeitet wird. Beide großen Antennen hängen am Rotor — gezählt wird deshalb, was über den ganzen Contest erreichbar ist, nicht was eine feste Stellung gerade abdeckt.

Gezählt wird auf den IARU-Logs 2024/2025 und dem Marconi 2025: die erfassen jedes Land gleich. Die DARC-Liste deckt nur Deutschland ab — sie steht als eigene Spalte daneben, sonst gewinnt jeder Standort, der nach Westen schaut, allein durch die Datenlage.

StandorterreichbarDeutschlandDARC-Liste≤ 500 kmZugang
Stuhleck · 1 770 m1 549326569962Auto bis oben
Traisner Hütte · 1 304 m1 482569988877Sessellift, dann zu Fuß
Grünberg · 989 m1 4177001 271826Seilbahn, Gasthaus
Feuerkogelhaus · 1 591 m1 3025881 056726Seilbahn, Gasthaus
Braunsberg · 337 m1 172454814740Auto bis oben
Gaisberg · 1 272 m1 0556281 199618Auto bis oben
Hochkar · 1 478 m438321559247Auto bis oben
Loser · 1 585 m0000Auto bis oben

Traisner Hütte steht damit auf Platz 2 von 8.

Wer die älteren Beiträge dieser Reihe kennt, findet dort andere Zahlen: Die wurden mit der ersten Bestückung gerechnet — ein Yagi-Stack und ein Vierfachquad-Stack mit 69° Keulenbreite. Seit die Wahl auf zwei schmale 12JXX2-Stacks gefallen ist, verschiebt sich die Reihenfolge: Mehr Gewinn, weniger Breite bevorzugt die Standorte, deren Stationen in einer Richtung gebündelt liegen, und kostet die, die rundum offen sind. Die festen Tonnas auf Mast 3 holen einen Teil dieser Breite zurück.

Die Daten

StandortTraisner Hütte — Hinteralm bei Lilienfeld
Koordinaten47,97192 N / 15,61055 O · 1 304 m · JN77TX
ZugangSessellift, dann zu Fuß
Horizont frei258°–108°, 122°–140°
Grad frei / knapp / zu217° / 14° / 129°
Stationen ≤ 700 km1 460 frei, 22 knapp, von 2 045
Deutschland (IARU)569 frei, 0 knapp, von 569
Deutschland (DARC-Liste)1 045 unter der Waagrechten von 1 045
Anlagedrei Masten · Mast 1 10 m (2 × 12JXX2 auf 6,9/9,7 m, Rotor) · Mast 2 7 m (2 × 12JXX2 auf 3,9/6,7 m, Rotor) · Mast 3 7 m (2 × 9-el-Tonna auf 3,9/6,7 m, fest)
StellungenDL-Stack 298° / 336° / 280° · Rotor-Stack 34° / 74° / 122° · Tonna fest 4°
umgeschaltet · 1 000 W1 482 · ≤ 500 km 877 · DL 569 · mit drei festen Stellungen je Rotor 1 378
geteilt · je 500 W1 153 · ≤ 500 km 877 · DL 420
alle drei zugleich · je 333 W923 · ≤ 500 km 844 · DL 284
ohne den Tonna-Mast1 363 statt 1 378
Σ Kilometer639 312 km
mit strengem Maßnur Richtungen unter −0,3°: 1 026 · ≤ 500 km 827 · DL 384

Was das heißt

Zum ersten Mal in dieser Reihe ist jede der dreißig deutschen Städte unter der Waagrechten: Stuttgart −0,82°, München −0,75°, Passau −0,73°, Berlin −0,70°, Dresden −0,70°, Hamburg −0,63°, Leipzig −0,62°, Frankfurt −0,62°, Nürnberg −0,61°, Köln −0,59°, Rosenheim −0,56°, Hannover −0,50°, Erfurt −0,49°, Kassel −0,47°. Der Feuerkogel schaut nach Nordwesten tiefer — er steht 280 Meter höher —, hat aber sein Loch Richtung München und Stuttgart. Der Grünberg ist flach, das Hochkar ein Fenster, der Loser zu. Die Traisner Hütte hat kein Loch.

Dazu der Osten, den keiner der vier anderen hatte: Wien −1,2°, Bratislava −0,82°, Brünn −0,87°, Budapest −0,58°, Krakau −0,86°, Warschau −0,80°. Zu bleiben Graz +0,68°, Klagenfurt +0,34°, Ljubljana +0,75°, Zagreb +0,11°; Innsbruck liegt mit −0,06° genau auf der Kante.

Für einen Contest ist das der Standort, den man sich wünscht: nach Deutschland, Tschechien, Polen, in die Slowakei und nach Ungarn kein Sektor, den man abschreiben muss. Was fehlt, ist der Süden — Slowenien, Kroatien und die Poebene stehen hinter Hochschwab und Totem Gebirge. Der Preis ist die Höhe, 1 311 Meter statt 1 591, und der Weg hinauf.

Vorbehalt

Rechnung, keine Messung. Das Geländemodell kennt weder Bäume noch die Hütte selbst noch den Lift, es hat ein Raster von dreißig Metern, und die Ausbreitung nimmt eine Standardatmosphäre an. Die Reisalpe in vier Kilometern ist das einzige Nahfeld-Hindernis, alles andere liegt weit genug weg, dass das einzelne Grad stimmt. Die Wikipedia-Namen auf den Karten sind das jeweils nächstgelegene Stichwort — im Süden oft eine Hütte statt des Berges.

Der Rest wird gemessen — oben, mit Antenne.

73 · OE5SOS