Was der Braunsberg sieht

09. Oktober 2026

Ein asphaltierter Parkplatz auf 343 Metern, direkt am Gipfel, Straße bis oben, elf Kilometer bis Bratislava: besser kann ein Platz kaum liegen. Der Horizont sagt etwas anderes — nach Südosten liegt Europa offen, nach Deutschland steht der Wienerwald genau auf der Sichtlinie.

Dunkle Karte 700 Kilometer um den Braunsberg mit Staatsgrenzen: nach Südosten über Ungarn ein breiter grüner Fächer, nach Westen und Nordwesten bernsteinfarbene Striche, nach Südwesten kurze rote; dazu die Zahlen 81° bis 182° frei und 287° bis 346° nur knapp
343 m · JN88LD

Der Platz ist der Traum jeder Portabel-Station: eine asphaltierte Fläche von sechzig mal dreißig Metern, Straße bis hinauf, öffentlich, keine Schranke davor, und der Gipfel liegt vierzig Meter daneben. Hainburg an der Donau unten, Bratislava elf Kilometer östlich, die March und die slowakische Grenze in Sichtweite.

Die Frage ist nicht der Platz. Die Frage ist, was von dort aus über den Horizont ragt — und ob Deutschland dazugehört, wo die meisten Gegenstationen sitzen.

Wie

Die Methode wie bei Feuerkogel, Stuhleck und den anderen Standorten dieser Reihe: SRTM-Geländemodell, ein Strahl je Grad bis 500 Kilometer, zehn Meter Antennenhöhe, Erdkrümmung mit dem 4/3-Radius, Namen der Hindernisse aus der Wikipedia. Dazu diesmal der Laserscan des BEV für die ersten 140 Meter rund um den Platz — Bäume, Kuppe, Hütte — und die Contestlogs darübergelegt.

Drei Klassen: frei heißt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten, knapp zwischen −0,3° und null, zu heißt Gelände über der Waagrechten.

Rundum

Polardiagramm des Radiohorizonts vom Braunsberg-Parkplatz: nach Südosten und Osten ein grüner Bogen, nach Westen und Nordwesten durchgehend bernstein, nach Südwesten und Nordosten rote Flächen bis knapp drei Grad

Von 360 Grad sind 107 frei, 113 knapp und 140 zu. Das ist das schlechteste Verhältnis der ganzen Reihe — und trotzdem ist der Platz nicht schlecht, weil die freien Grade dorthin zeigen, wo etwas los ist.

RichtungWas den Horizont setztEntfernungWinkel
353–⁠7°frei — Südmähren: Boleradice, Hustopeče, Ždánický les85–117 km−0,30…⁠−0,35°
8–⁠23°knapp — Kleine Karpaten, Brdo, Radimov5–116 km−0,29…⁠0,00°
24–⁠77°Devínska Kobyla und die Kleinen Karpaten5–20 km+0,02…⁠+1,84°
81–⁠97°frei — über Bratislava hinweg in die Slowakei11–147 km−0,34…⁠−0,42°
99–⁠129°frei — Donauebene, Csóványos, Bajót6–151 km−0,31…⁠−0,42°
133–⁠179°frei — Kleine Ungarische Tiefebene, Bakony3–133 km−0,30…⁠−0,41°
183–⁠261°Hundsheimer Berg (480 m, 3 km), dahinter Alpen2–129 km+0,00…⁠+2,76°
263–⁠266°Schöpfl und der Wienerwaldkamm54–78 km+0,05…⁠+0,14°
269–⁠284°knapp — Wienerwald: Troppberg, Dahaberg52–71 km−0,01…⁠−0,12°
287–⁠346°knapp — Kahlenberg, Leiser Berge, Weinviertel34–99 km−0,04…⁠−0,27°

Zwei Berge machen die Hälfte des Kreises zu. Der Hundsheimer Berg, 480 Meter hoch und drei Kilometer südwestlich, steht mit bis zu +2,76° im Weg — er nimmt alles von Süden über Südwest bis West, also Graz, Slowenien, Kroatien, Italien und die ganzen Alpen. Die Devínska Kobyla auf der slowakischen Seite, 514 Meter, fünf Kilometer nordöstlich, macht mit +1,84° den Nordosten zu: Krakau, Warschau, Ostpolen.

Und dann ist da der Westen. Von 269° bis 346° — der ganze Sektor, in dem Deutschland liegt — bleibt der Horizont zwischen −0,27° und −0,01°. Das ist nicht frei und nicht zu: Es ist der Wienerwald, 34 bis 99 Kilometer weit, der fast genau auf der Sichtlinie steht.

Der Platz

Lageplan des Braunsberg-Parkplatzes aus dem Laserscan mit Orthofoto: der asphaltierte Platz als gestrichelter Umriss, daneben in der Wiese die drei Masten mit ihren Abspannkreisen, das Auto am Platzrand und die Strahlrichtungen

Der Laserscan sagt zum Platz selbst nur Gutes. Der Asphalt liegt auf 343 Metern (SRTM rechnet mit 337, der Scan misst genauer), er ist eben, und rundherum steht in den ersten 140 Metern fast nichts:

AntennenhöheRichtungen, die das Nahfeld sperrt
6 m6°
8 m1°
10 mkeine
12 m und mehrkeine

Aufgestellt wird aber nicht auf dem Asphalt, sondern daneben: Erdnägel und Abspannung brauchen Wiese. Das Gelände gibt sie her — nordwestlich schließt an den Platz eine offene Grasfläche an, die im Laserscan glatt und im Orthofoto baumfrei ist. Die drei Masten stehen dort quer zur Grundstellung des DL-Stacks, damit keiner im Strahl des anderen steht, und das Auto am Platzrand daneben:

Lage zum Platzmittelpunktzum AutoKoax
Mast 1 · 10 m · Rotor-Stack32 m west, 14 m nord11 m25 m
Mast 2 · 7 m · DL-Stack25 m west, 23 m nord19 m35 m
Mast 3 · 7 m · Tonna fest45 m west, 3 m süd20 m35 m

Boden an den Mastplätzen 340,7 Meter, gut zwei Meter unter dem Asphalt. Der Radius der Abspannung — rund viereinhalb Meter — bleibt bei allen dreien auf der Wiese. Das Nahfeld kostet in dieser Aufstellung zusammen zwei von 1 080 Richtungen; ein Platz weiter nordwestlich wäre ganz frei, dafür lägen dreiundzwanzig Meter mehr Kabel zwischen Auto und Mast.

Zwei Dinge, die nicht im Geländemodell stehen: Der Braunsberg ist ein keltisches Oppidum — hundertsiebzig Meter westlich des Parkplatzes liegt eine eingetragene archäologische Stätte, und am Gipfel stehen mehrere Denkmäler. Wer hier Erdnägel in den Boden bringt, klärt das vorher. Und die Hundsheimer Berge sind Natura-2000-Gebiet; der Parkplatz selbst liegt am Rand davon.

Die Karte

Reliefkarte 180 Kilometer um den Braunsberg, für jede Peilung ein Strich bis zu dem Gelände, das den Horizont bildet — nach Südosten weit über Ungarn, nach Südwesten nur zwei Kilometer bis zum Hundsheimer Berg

Der Unterschied zu jedem Bergstandort dieser Reihe springt ins Auge: Die Striche nach Südosten laufen 130 bis 150 Kilometer weit, bis in den Bakony und an die Donau bei Budapest. Nach Südwesten hören sie nach zwei Kilometern auf — am eigenen Nachbarberg.

Bis 700 Kilometer

Karte um den Braunsberg mit Staatsgrenzen, zwischen 200 und 700 Kilometer Radius: grün nach Südosten über Ungarn und Rumänien, bernstein nach Westen und Nordwesten
Radius 200 km

Auf der Übersicht bis 800 Kilometer stehen die Gebirge mit ihrem Winkel. Über die Waagrechte ragen nur nahe Nachbarn und, weiter draußen, der Alpenrand nach Westen: Schneeberg +0,72° in 95 Kilometern, Hochschwab +0,25° in 148, Ötscher +0,21° in 134. Alles, was dahinter liegt — Bayerischer Wald, Erzgebirge, Harz —, liegt tief unter dem Horizont; es kommt nur nicht dorthin, weil der Wienerwald davor steht.

Beide Karten als PDF: Zoom 180 km mit allen Bergnamen und Übersicht 800 km mit der nummerierten Liste.

Die Stationen

Dunkle Karte 700 Kilometer um Braunsberg, jede Contest-Station ein Punkt: hell, wo der Horizont frei ist, bernstein dahinter; dazu die sechs Rotorstellungen der Anlage

Von den 1 887 Stationen, die in den Logs bis 700 Kilometer auftauchen, stehen 1 172 über dem Horizont — Deutschland 454 von 480. Das ist die Obergrenze: mehr kann keine Antenne herausholen, egal wie groß sie ist.

Die Zahl hat aber zwei Hälften. Wirklich frei — der Horizont liegt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten — sind 341 Stationen, davon 0 in Deutschland. Die übrigen 831 liegen knapp: zwischen −0,3° und null, also im Streifschatten einer Kante. Dort geht etwas, aber mit Verlust — drei bis acht Dezibel, je nach Tag. Der Beitrag nennt beide Zahlen, weil nur beide zusammen den Platz beschreiben. Von den 107 Grad, die frei sind, kommen 113 Grad knappe dazu.

Die Anlage

Blatt „Die Antennenanlage“: Polardiagramm der Stationen bis 500 Kilometer um Braunsberg, je zehn Grad als Balken nach Land gestapelt, dazu die drei Stellungen des DL-Stacks und die drei des Rotor-Stacks

Gerechnet ist überall dieselbe Anlage wie am Stuhleck, mit drei Masten:

Die Stellungen sind nicht geraten, sondern gesucht: Für Braunsberg fallen sie auf 308° / 280° / 326° am DL-Stack, 4° / 156° / 106° am Rotor-Stack und 168° für die festen Tonnas.

Gespeist wird über einen Umschalter. Liegen die vollen 1 000 Watt auf dem System, auf dem gerade gearbeitet wird, und drehen die beiden Rotoren über den Contest, kommt die Anlage auf 1 172 Stationen (Deutschland 454, nach der DARC-Liste 814). Teilt man die Leistung auf die beiden Rotor-Stacks, also 500 Watt je Stack, sind es 947; mit nur drei festen Stellungen je Rotor 1 124; auf alle drei Systeme zugleich verteilt nur noch 757 — drei Richtungen kosten mehr Leistung, als sie an Fläche bringen. Der Tonna-Mast allein steuert 20 Stationen bei, die ohne ihn fehlen würden.

In drei Dimensionen

Ziehen dreht, das Rad zoomt. Die Regler drehen die beiden Stacks, die Knöpfe springen auf die gerechneten Stellungen. Im Vollbild öffnen

Derselbe Blick für jeden Standort: das Gelände kommt aus dem Laserscan des BEV, darüber liegt das Orthofoto, die beiden Masten stehen mit ihren gerechneten Höhen darauf. Die Schilder am Rand sind Städte — hell heißt über dem Horizont, grau dahinter.

Der Vergleich

Balkendiagramm aller Standorte der Reihe mit derselben Anlage: je Standort ein Balken der erreichbaren Stationen, nach Ländern gestapelt

Alle Standorte dieser Reihe mit derselben Anlage, derselben Zählregel und denselben Logs — nur so sind die Zahlen vergleichbar. Erreichbar heißt: Horizont unter der Waagrechten und genug Gewinn für die Entfernung (6 dBi bis 300 km, danach 3 dB je weitere 100 km), bei 1 000 Watt auf dem System, mit dem gerade gearbeitet wird. Beide großen Antennen hängen am Rotor — gezählt wird deshalb, was über den ganzen Contest erreichbar ist, nicht was eine feste Stellung gerade abdeckt.

Gezählt wird auf den IARU-Logs 2024/2025 und dem Marconi 2025: die erfassen jedes Land gleich. Die DARC-Liste deckt nur Deutschland ab — sie steht als eigene Spalte daneben, sonst gewinnt jeder Standort, der nach Westen schaut, allein durch die Datenlage.

StandorterreichbarDeutschlandDARC-Liste≤ 500 kmZugang
Stuhleck · 1 770 m1 549326569962Auto bis oben
Traisner Hütte · 1 304 m1 482569988877Sessellift, dann zu Fuß
Grünberg · 989 m1 4177001 271826Seilbahn, Gasthaus
Feuerkogelhaus · 1 591 m1 3025881 056726Seilbahn, Gasthaus
Braunsberg · 337 m1 172454814740Auto bis oben
Gaisberg · 1 272 m1 0556281 199618Auto bis oben
Hochkar · 1 478 m438321559247Auto bis oben
Loser · 1 585 m0000Auto bis oben

Braunsberg steht damit auf Platz 5 von 8.

Wer die älteren Beiträge dieser Reihe kennt, findet dort andere Zahlen: Die wurden mit der ersten Bestückung gerechnet — ein Yagi-Stack und ein Vierfachquad-Stack mit 69° Keulenbreite. Seit die Wahl auf zwei schmale 12JXX2-Stacks gefallen ist, verschiebt sich die Reihenfolge: Mehr Gewinn, weniger Breite bevorzugt die Standorte, deren Stationen in einer Richtung gebündelt liegen, und kostet die, die rundum offen sind. Die festen Tonnas auf Mast 3 holen einen Teil dieser Breite zurück.

Die Daten

StandortBraunsberg — Parkplatz am Gipfel über Hainburg
Koordinaten48,15348 N / 16,95733 O · 337 m · JN88LD
ZugangStraße bis zum Platz
Horizont frei287°–23°, 78°–182°, 269°–284°
Grad frei / knapp / zu107° / 113° / 140°
Stationen ≤ 700 km341 frei, 831 knapp, von 1 887
Deutschland (IARU)0 frei, 454 knapp, von 480
Deutschland (DARC-Liste)842 unter der Waagrechten von 882
Anlagedrei Masten · Mast 1 10 m (2 × 12JXX2 auf 6,9/9,7 m, Rotor) · Mast 2 7 m (2 × 12JXX2 auf 3,9/6,7 m, Rotor) · Mast 3 7 m (2 × 9-el-Tonna auf 3,9/6,7 m, fest)
StellungenDL-Stack 308° / 280° / 326° · Rotor-Stack 4° / 156° / 106° · Tonna fest 168°
umgeschaltet · 1 000 W1 172 · ≤ 500 km 740 · DL 454 · mit drei festen Stellungen je Rotor 1 124
geteilt · je 500 W947 · ≤ 500 km 740 · DL 300
alle drei zugleich · je 333 W757 · ≤ 500 km 713 · DL 207
ohne den Tonna-Mast1 104 statt 1 124
Σ Kilometer505 452 km
mit strengem Maßnur Richtungen unter −0,3°: 297 · ≤ 500 km 240 · DL 0

Was das heißt

Für den Osten und Südosten ist der Braunsberg ein sehr guter Platz, und das mit einem Komfort, den keiner der Bergstandorte bietet: hinauffahren, aufbauen, fertig. Bratislava −0,40°, Budapest −0,33°, Temeswar −0,42°, Belgrad −0,30°, Bukarest −0,32°, Brünn −0,30°, Breslau −0,31° — alles frei, das meiste über flaches Land. In der Kleinen Ungarischen Tiefebene und entlang der Donau sitzt im Contest genug, und die Entfernungen zählen doppelt.

Nach Deutschland ist er der schwächste Platz der Reihe, und zwar nicht ein bisschen. Keine einzige der dreißig deutschen Städte steht wirklich frei: München −0,05°, Passau −0,02°, Stuttgart −0,07°, Nürnberg −0,12°, Frankfurt −0,09°, Leipzig −0,13°, Dresden −0,20°, Hamburg −0,21°, Berlin −0,24°, Köln −0,23°. Alle zwischen null und einem Viertelgrad darunter — der Wienerwald schneidet jede dieser Verbindungen an. Das bedeutet nicht, dass nichts geht: Eine Kante in fünfzig Kilometern kostet je nach Tag drei bis acht Dezibel, und mit 1 000 Watt auf einem Stack sind 454 deutsche Stationen in der Rechnung (nach der DARC-Liste 814), die auch anderswo erreichbar wären. Aber sie kommen nie sauber an, und ein Tropo-Abend hilft hier weniger als auf einem Berg, der frei steht.

Masthöhe ändert daran nichts. Fünf Meter mehr Antenne verschieben den Winkel zu einer Kante in fünfzig Kilometern um sechs Tausendstel Grad. Was hier fehlt, sind nicht Meter, sondern Kilometer Abstand zum Wienerwald — oder eine Position dahinter.

Wer vom Braunsberg aus Contest macht, dreht also nach Osten und Südosten und nimmt Deutschland als das, was es dort ist: ein Sektor, in dem man arbeitet, wenn die Bedingungen mitspielen, und nicht der, auf den man die feste Antenne stellt. Für Deutschland bleiben Grünberg, Gaisberg und Feuerkogel die Adressen.

Vorbehalt

Rechnung, keine Messung. Das SRTM-Raster hat dreißig Meter, der Laserscan vier; das Fernfeld kennt weder Bäume noch Gebäude, nur das Gelände. Die Ausbreitung nimmt die Standardatmosphäre an — ein Tropo-Abend rechnet anders, und gerade bei den knappen Richtungen entscheidet er mehr als jedes Zehntelgrad in dieser Tabelle. Die Zählung der Stationen ist eine Modellrechnung mit Antennendiagrammen aus Herstellerdaten, keine Vorhersage von Verbindungen.

Was die Rechnung sicher sagt: wohin dieser Platz offen steht, und dass der Westen eine Kante hat.

Der Rest wird gemessen — oben, mit Antenne.

73 · OE5SOS