Was der Gaisberg sieht

22. September 2026

Der Gaisberg ist der Berg, auf den man einfach hinauffährt: 1 272 Meter, zehn Kilometer von Salzburg, ein Parkplatz am Straßenende, und der Blick geht direkt nach Bayern. Ich habe ihn gerechnet wie die anderen — 360 Peilungen, das Laserscan-Modell für die letzten zweihundert Meter, die Contestlogs darübergelegt. Die Aussicht ist gut. Der Platz ist es nicht.

Dunkle Karte 700 Kilometer um den Gaisberg-Gipfelparkplatz mit Staatsgrenzen: der Randbogen ist von 273° bis 359° grün, nach Osten und Süden bernstein; dazu die Zahlen 273° bis 359° frei nach Deutschland und 1° bis 39° hinter der Gipfelkuppe mit dem Sendeturm
1 272 m · JN67NT

Der Gaisberg ist der bequemste Berg der Gegend. Eine Straße führt bis ganz hinauf, oben ist ein Parkplatz, daneben eine Wiese, und wer aus Salzburg kommt, ist in zwanzig Minuten da. Von den Salzburger Autoplätzen war er schon bei der ersten Runde der einzige, der Richtung Deutschland überhaupt in Frage kam. Also habe ich ihn ganz gerechnet.

Das Ergebnis vorweg: Der Horizont nach Deutschland ist so frei, wie man es sich wünscht. Und trotzdem wird es nichts.

Wie

Dieselbe Methode wie bei den Standorten davor: SRTM-Geländemodell, ein Strahl je Grad, 4/3-Erde, 700 Kilometer weit, zehn Meter Antenne. Dazu — und das ist auf einem Gipfelplateau der entscheidende Teil — das Oberflächenmodell des BEV aus dem Laserscan, ein Meter Raster, für alles im Umkreis von dreihundert Metern: Gebäude, Sendetürme, Bäume, die Kuppe selbst. Fernfeld und Nahfeld werden zusammengelegt, das höhere von beiden gewinnt.

Darübergelegt sind die Contestlogs: 2 262 Stationen aus den IARU-Contesten 2024 und 2025 und dem Marconi 2025, die innerhalb von 700 Kilometern liegen, jede mit Peilung und Entfernung. Dazu die DARC-Liste der deutschen UKW-Contestteilnehmer — 1 327 davon liegen im Umkreis von 700 Kilometern.

Gerechnet habe ich drei Plätze auf dem Plateau: den Parkplatz am Straßenende (47,80336 N / 13,11151 O, Laserscan-Boden 1 274 m, JN67NT), die Fläche beim Relais hundertvierzig Meter nordwestlich und die Gipfelwiese nördlich vom Sender.

Polardiagramm des Radiohorizonts vom Gaisberg-Gipfelparkplatz: von West über Nord bis kurz vor Nord frei, nach Nordosten und Osten die Gipfelkuppe, nach Süden die Alpen

Rundum

Von 273° bis 359° ist alles frei, −0,4 bis −0,8 Grad. München, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Hannover, Hamburg — nichts im Weg bis zur Erdkrümmung. Das ist der beste Deutschland-Sektor, den ein Platz mit Straße in dieser Gegend zu bieten hat.

Dann kommt die Kuppe. Der Gipfel mit dem ORF-Sendeturm steht zweihundert Meter nördlich vom Parkplatz und deckt bei zehn Metern Antennenhöhe 2° bis 43° zu, mit bis zu +5,2 Grad. Dahinter liegen Berlin (+1,4°), Dresden (+3,4°), Prag (+2,8°), Breslau (+1,4°), Passau (+2,5°) und Nürnberg (+3,6°) — alles, was nordöstlich der Donau liegt, schaut man von unten an einen Hang. Ein zweites, kleineres Loch macht ein Haus mit Bäumen, 15 bis 18 Meter hoch, neunzig Meter nordwestlich: 313° bis 322°, +4,5 Grad.

Lageplan des Gaisberg-Gipfelplateaus aus dem Laserscan-Oberflächenmodell: vom Parkplatz aus zwei bernsteinfarbene Keile, einer über die Gipfelkuppe mit dem Sendeturm, einer über Haus und Bäume im Nordwesten; dazu die Quadrichtungen 300° und 340°, die Yagi auf 60° und das Relais OE2XZR in 139 Metern

Höhe hilft, aber nur langsam. Was am Parkplatz frei bleibt:

Antennenhöhefrei von 2 262davon DeutschlandDARC-Liste
8 m711347634 von 1 327
10 m803414758
11,8 m942508941
13,5 m1 0165681 050

Dreizehneinhalb Meter Mast, nur um über eine Kuppe zu schauen, die zweihundert Meter weg ist — und Nürnberg liegt immer noch +1,4 Grad darüber.

Der Platz

Lageplan des Platzes am Gaisberg aus dem Laserscan mit Orthofoto: Höhenlinien alle zwei Meter, die drei Mastplätze und die Strahlrichtungen

Das Gelände der ersten 136 Meter rund um den Platz kommt aus dem Laserscan des BEV mit vier Meter Raster — Bäume, Gebäude und Kuppen inbegriffen. Der Boden am Mast liegt bei 1275,7 Metern.

AntennenhöheRichtungen, die das Nahfeld sperrt
6 m73°
8 m31°
10 m13°
12 m6°
15 m2°

Auch mit zehn Metern Mast sperrt das Nahfeld noch 13 Grad — das ist zusätzlich zu dem, was der Fernhorizont ohnehin zumacht.

Hundertvierzig Meter weiter

Geht man vom Parkplatz nach Nordwesten, zur Fläche beim Relais (47,80393 N / 13,10985 O, 1 277 m), dreht sich das Bild: Die Kuppe steht dann im Rücken, nicht im Weg. Frei sind 1 200 Stationen bei zehn Metern, 1 253 bei 11,8, 1 295 bei 13,5 — und von der DARC-Liste sind 1 325 von 1 327 frei, in jeder Höhe. Zu ist dafür der Sektor 44° bis 68°, also Polen und Tschechien, die von dort hinter der Kuppe liegen.

Noch besser ist die Gipfelwiese nördlich vom Sender (Boden 1 284 m): 1 513 freie Stationen, unabhängig von der Masthöhe — außer dem Süden, wo die Alpen stehen, ist dort alles offen. Der Preis sind zweihundertfünfzig Meter Tragen und sechzig Meter Abstand zum 100-kW-Turm.

Zwei Balkendiagramme: freie Stationen je zehn Grad für den Parkplatz und für die Gipfelwiese, aufgeteilt nach Ländern; beim Parkplatz fehlt der Sektor 0° bis 40°, auf der Wiese ist er voll

Für die geplante Anlage — ein Yagi-Stack und ein Quad-Stack, jeder auf drei Rotorstellungen, die Leistung geteilt — heißt das am Parkplatz: 827 erreichbare Stationen, 506 davon in Deutschland, mit dem Yagi-Stack auf 312°, 342° und 60° und dem Quad-Stack auf 88°, 282° und 284°. Rechnet man nur die deutschen Stationen und nur die beiden Quads, bringen 300° und 340° zusammen 852 von 1 327 — von der Gipfelwiese aus wären es mit denselben Richtungen 1 319.

Die Karte

Reliefkarte 180 Kilometer um den Gaisberg, für jede Peilung ein Strich bis zu dem Gelände, das den Horizont bildet — grün weit nach Bayern hinein, bernstein nach Osten und Süden

Jeder Strich ist ein Grad. Nach Westen und Nordwesten laufen sie bis ins bayerische Flachland, weil dort erst das Gelände kommt, das den Horizont bildet; nach Osten und Süden enden sie an der eigenen Kuppe und am Alpenrand.

Bis 700 Kilometer

Karte um den Gaisberg mit Staatsgrenzen, zwischen 200 und 700 Kilometer Radius: die Striche nach Westen und Norden laufen weit hinaus, nach Nordosten enden sie an der Gipfelkuppe, nach Süden an den Alpen
Radius 200 km

Beide Karten als PDF: Zoom 180 km und Übersicht 800 km. Nach Süden ragen der Watzmann (31 km, 208°, +2,6°), der Großglockner (87 km, +1,4°) und die Hochalmspitze über die Waagrechte — nach Norden und Westen bis achthundert Kilometer nichts.

Die Stationen

Dunkle Karte 700 Kilometer um Gaisberg, jede Contest-Station ein Punkt: hell, wo der Horizont frei ist, bernstein dahinter; dazu die sechs Rotorstellungen der Anlage

Von den 2 133 Stationen, die in den Logs bis 700 Kilometer auftauchen, stehen 1 055 über dem Horizont — Deutschland 628 von 703. Das ist die Obergrenze: mehr kann keine Antenne herausholen, egal wie groß sie ist.

Die Zahl hat aber zwei Hälften. Wirklich frei — der Horizont liegt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten — sind 1 005 Stationen, davon 610 in Deutschland. Die übrigen 50 liegen knapp: zwischen −0,3° und null, also im Streifschatten einer Kante. Dort geht etwas, aber mit Verlust — drei bis acht Dezibel, je nach Tag. Der Beitrag nennt beide Zahlen, weil nur beide zusammen den Platz beschreiben. Von den 127 Grad, die frei sind, kommen 15 Grad knappe dazu.

Die Anlage

Blatt „Die Antennenanlage“: Polardiagramm der Stationen bis 500 Kilometer um Gaisberg, je zehn Grad als Balken nach Land gestapelt, dazu die drei Stellungen des DL-Stacks und die drei des Rotor-Stacks

Gerechnet ist überall dieselbe Anlage wie am Stuhleck, mit drei Masten:

Die Stellungen sind nicht geraten, sondern gesucht: Für Gaisberg fallen sie auf 312° / 342° / 290° am DL-Stack, 60° / 46° / 78° am Rotor-Stack und 0° für die festen Tonnas.

Gespeist wird über einen Umschalter. Liegen die vollen 1 000 Watt auf dem System, auf dem gerade gearbeitet wird, und drehen die beiden Rotoren über den Contest, kommt die Anlage auf 1 055 Stationen (Deutschland 628, nach der DARC-Liste 1 199). Teilt man die Leistung auf die beiden Rotor-Stacks, also 500 Watt je Stack, sind es 862; mit nur drei festen Stellungen je Rotor 1 036; auf alle drei Systeme zugleich verteilt nur noch 664 — drei Richtungen kosten mehr Leistung, als sie an Fläche bringen. Der Tonna-Mast allein steuert 0 Stationen bei, die ohne ihn fehlen würden.

In drei Dimensionen

Ziehen dreht, das Rad zoomt. Die Regler drehen die beiden Stacks, die Knöpfe springen auf die gerechneten Stellungen. Im Vollbild öffnen

Derselbe Blick für jeden Standort: das Gelände kommt aus dem Laserscan des BEV, darüber liegt das Orthofoto, die beiden Masten stehen mit ihren gerechneten Höhen darauf. Die Schilder am Rand sind Städte — hell heißt über dem Horizont, grau dahinter.

Der Vergleich

Balkendiagramm aller Standorte der Reihe mit derselben Anlage: je Standort ein Balken der erreichbaren Stationen, nach Ländern gestapelt

Alle Standorte dieser Reihe mit derselben Anlage, derselben Zählregel und denselben Logs — nur so sind die Zahlen vergleichbar. Erreichbar heißt: Horizont unter der Waagrechten und genug Gewinn für die Entfernung (6 dBi bis 300 km, danach 3 dB je weitere 100 km), bei 1 000 Watt auf dem System, mit dem gerade gearbeitet wird. Beide großen Antennen hängen am Rotor — gezählt wird deshalb, was über den ganzen Contest erreichbar ist, nicht was eine feste Stellung gerade abdeckt.

Gezählt wird auf den IARU-Logs 2024/2025 und dem Marconi 2025: die erfassen jedes Land gleich. Die DARC-Liste deckt nur Deutschland ab — sie steht als eigene Spalte daneben, sonst gewinnt jeder Standort, der nach Westen schaut, allein durch die Datenlage.

StandorterreichbarDeutschlandDARC-Liste≤ 500 kmZugang
Stuhleck · 1 770 m1 549326569962Auto bis oben
Traisner Hütte · 1 304 m1 482569988877Sessellift, dann zu Fuß
Grünberg · 989 m1 4177001 271826Seilbahn, Gasthaus
Feuerkogelhaus · 1 591 m1 3025881 056726Seilbahn, Gasthaus
Braunsberg · 337 m1 172454814740Auto bis oben
Gaisberg · 1 272 m1 0556281 199618Auto bis oben
Hochkar · 1 478 m438321559247Auto bis oben
Loser · 1 585 m0000Auto bis oben

Gaisberg steht damit auf Platz 6 von 8.

Wer die älteren Beiträge dieser Reihe kennt, findet dort andere Zahlen: Die wurden mit der ersten Bestückung gerechnet — ein Yagi-Stack und ein Vierfachquad-Stack mit 69° Keulenbreite. Seit die Wahl auf zwei schmale 12JXX2-Stacks gefallen ist, verschiebt sich die Reihenfolge: Mehr Gewinn, weniger Breite bevorzugt die Standorte, deren Stationen in einer Richtung gebündelt liegen, und kostet die, die rundum offen sind. Die festen Tonnas auf Mast 3 holen einen Teil dieser Breite zurück.

Die Daten

StandortGaisberg — Gipfelparkplatz am Straßenende
Koordinaten47,80336 N / 13,11151 O · 1 272 m · JN67NT
ZugangStraße bis zum Platz
Horizont frei266°–0°, 40°–81°
Grad frei / knapp / zu127° / 15° / 218°
Stationen ≤ 700 km1 005 frei, 50 knapp, von 2 133
Deutschland (IARU)610 frei, 18 knapp, von 703
Deutschland (DARC-Liste)1 217 unter der Waagrechten von 1 327
Anlagedrei Masten · Mast 1 10 m (2 × 12JXX2 auf 6,9/9,7 m, Rotor) · Mast 2 7 m (2 × 12JXX2 auf 3,9/6,7 m, Rotor) · Mast 3 7 m (2 × 9-el-Tonna auf 3,9/6,7 m, fest)
StellungenDL-Stack 312° / 342° / 290° · Rotor-Stack 60° / 46° / 78° · Tonna fest 0°
umgeschaltet · 1 000 W1 055 · ≤ 500 km 618 · DL 628 · mit drei festen Stellungen je Rotor 1 036
geteilt · je 500 W862 · ≤ 500 km 618 · DL 526
alle drei zugleich · je 333 W664 · ≤ 500 km 612 · DL 380
ohne den Tonna-Mast1 036 statt 1 036
Σ Kilometer465 682 km
mit strengem Maßnur Richtungen unter −0,3°: 788 · ≤ 500 km 578 · DL 483

Was das heißt

Der Gaisberg ist kein leerer Berg. Auf dem Gipfel steht seit Jahrzehnten ein Senderpark, und in dessen Mitte fährt man mit einer Contestanlage nicht einfach hinein:

Das ist die eigentliche Antwort auf die Frage „Gaisberg?”: nicht die Geografie, sondern die Nachbarschaft.

Vorbehalt

Rechnung, keine Messung. Das SRTM-Raster hat dreißig Meter, der Laserscan vier; das Fernfeld kennt weder Bäume noch Gebäude, nur das Gelände. Die Ausbreitung nimmt die Standardatmosphäre an — ein Tropo-Abend rechnet anders, und gerade bei den knappen Richtungen entscheidet er mehr als jedes Zehntelgrad in dieser Tabelle. Die Zählung der Stationen ist eine Modellrechnung mit Antennendiagrammen aus Herstellerdaten, keine Vorhersage von Verbindungen.

Der Rest wird gemessen — oben, mit Antenne.

73 · OE5SOS