Was der Gaisberg sieht
Der Gaisberg ist der Berg, auf den man einfach hinauffährt: 1 272 Meter, zehn Kilometer von Salzburg, ein Parkplatz am Straßenende, und der Blick geht direkt nach Bayern. Ich habe ihn gerechnet wie die anderen — 360 Peilungen, das Laserscan-Modell für die letzten zweihundert Meter, die Contestlogs darübergelegt. Die Aussicht ist gut. Der Platz ist es nicht.
Der Gaisberg ist der bequemste Berg der Gegend. Eine Straße führt bis ganz hinauf, oben ist ein Parkplatz, daneben eine Wiese, und wer aus Salzburg kommt, ist in zwanzig Minuten da. Von den Salzburger Autoplätzen war er schon bei der ersten Runde der einzige, der Richtung Deutschland überhaupt in Frage kam. Also habe ich ihn ganz gerechnet.
Das Ergebnis vorweg: Der Horizont nach Deutschland ist so frei, wie man es sich wünscht. Und trotzdem wird es nichts.
Wie
Dieselbe Methode wie bei den Standorten davor: SRTM-Geländemodell, ein Strahl je Grad, 4/3-Erde, 700 Kilometer weit, zehn Meter Antenne. Dazu — und das ist auf einem Gipfelplateau der entscheidende Teil — das Oberflächenmodell des BEV aus dem Laserscan, ein Meter Raster, für alles im Umkreis von dreihundert Metern: Gebäude, Sendetürme, Bäume, die Kuppe selbst. Fernfeld und Nahfeld werden zusammengelegt, das höhere von beiden gewinnt.
Darübergelegt sind die Contestlogs: 2 262 Stationen aus den IARU-Contesten 2024 und 2025 und dem Marconi 2025, die innerhalb von 700 Kilometern liegen, jede mit Peilung und Entfernung. Dazu die DARC-Liste der deutschen UKW-Contestteilnehmer — 1 327 davon liegen im Umkreis von 700 Kilometern.
Gerechnet habe ich drei Plätze auf dem Plateau: den Parkplatz am Straßenende (47,80336 N / 13,11151 O, Laserscan-Boden 1 274 m, JN67NT), die Fläche beim Relais hundertvierzig Meter nordwestlich und die Gipfelwiese nördlich vom Sender.

Rundum
Von 273° bis 359° ist alles frei, −0,4 bis −0,8 Grad. München, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Hannover, Hamburg — nichts im Weg bis zur Erdkrümmung. Das ist der beste Deutschland-Sektor, den ein Platz mit Straße in dieser Gegend zu bieten hat.
Dann kommt die Kuppe. Der Gipfel mit dem ORF-Sendeturm steht zweihundert Meter nördlich vom Parkplatz und deckt bei zehn Metern Antennenhöhe 2° bis 43° zu, mit bis zu +5,2 Grad. Dahinter liegen Berlin (+1,4°), Dresden (+3,4°), Prag (+2,8°), Breslau (+1,4°), Passau (+2,5°) und Nürnberg (+3,6°) — alles, was nordöstlich der Donau liegt, schaut man von unten an einen Hang. Ein zweites, kleineres Loch macht ein Haus mit Bäumen, 15 bis 18 Meter hoch, neunzig Meter nordwestlich: 313° bis 322°, +4,5 Grad.

Höhe hilft, aber nur langsam. Was am Parkplatz frei bleibt:
| Antennenhöhe | frei von 2 262 | davon Deutschland | DARC-Liste |
|---|---|---|---|
| 8 m | 711 | 347 | 634 von 1 327 |
| 10 m | 803 | 414 | 758 |
| 11,8 m | 942 | 508 | 941 |
| 13,5 m | 1 016 | 568 | 1 050 |
Dreizehneinhalb Meter Mast, nur um über eine Kuppe zu schauen, die zweihundert Meter weg ist — und Nürnberg liegt immer noch +1,4 Grad darüber.
Der Platz

Das Gelände der ersten 136 Meter rund um den Platz kommt aus dem Laserscan des BEV mit vier Meter Raster — Bäume, Gebäude und Kuppen inbegriffen. Der Boden am Mast liegt bei 1275,7 Metern.
| Antennenhöhe | Richtungen, die das Nahfeld sperrt |
|---|---|
| 6 m | 73° |
| 8 m | 31° |
| 10 m | 13° |
| 12 m | 6° |
| 15 m | 2° |
Auch mit zehn Metern Mast sperrt das Nahfeld noch 13 Grad — das ist zusätzlich zu dem, was der Fernhorizont ohnehin zumacht.
Hundertvierzig Meter weiter
Geht man vom Parkplatz nach Nordwesten, zur Fläche beim Relais (47,80393 N / 13,10985 O, 1 277 m), dreht sich das Bild: Die Kuppe steht dann im Rücken, nicht im Weg. Frei sind 1 200 Stationen bei zehn Metern, 1 253 bei 11,8, 1 295 bei 13,5 — und von der DARC-Liste sind 1 325 von 1 327 frei, in jeder Höhe. Zu ist dafür der Sektor 44° bis 68°, also Polen und Tschechien, die von dort hinter der Kuppe liegen.
Noch besser ist die Gipfelwiese nördlich vom Sender (Boden 1 284 m): 1 513 freie Stationen, unabhängig von der Masthöhe — außer dem Süden, wo die Alpen stehen, ist dort alles offen. Der Preis sind zweihundertfünfzig Meter Tragen und sechzig Meter Abstand zum 100-kW-Turm.

Für die geplante Anlage — ein Yagi-Stack und ein Quad-Stack, jeder auf drei Rotorstellungen, die Leistung geteilt — heißt das am Parkplatz: 827 erreichbare Stationen, 506 davon in Deutschland, mit dem Yagi-Stack auf 312°, 342° und 60° und dem Quad-Stack auf 88°, 282° und 284°. Rechnet man nur die deutschen Stationen und nur die beiden Quads, bringen 300° und 340° zusammen 852 von 1 327 — von der Gipfelwiese aus wären es mit denselben Richtungen 1 319.
Die Karte

Jeder Strich ist ein Grad. Nach Westen und Nordwesten laufen sie bis ins bayerische Flachland, weil dort erst das Gelände kommt, das den Horizont bildet; nach Osten und Süden enden sie an der eigenen Kuppe und am Alpenrand.
Bis 700 Kilometer
Beide Karten als PDF: Zoom 180 km und Übersicht 800 km. Nach Süden ragen der Watzmann (31 km, 208°, +2,6°), der Großglockner (87 km, +1,4°) und die Hochalmspitze über die Waagrechte — nach Norden und Westen bis achthundert Kilometer nichts.
Die Stationen

Von den 2 133 Stationen, die in den Logs bis 700 Kilometer auftauchen, stehen 1 055 über dem Horizont — Deutschland 628 von 703. Das ist die Obergrenze: mehr kann keine Antenne herausholen, egal wie groß sie ist.
Die Zahl hat aber zwei Hälften. Wirklich frei — der Horizont liegt mehr als drei Zehntelgrad unter der Waagrechten — sind 1 005 Stationen, davon 610 in Deutschland. Die übrigen 50 liegen knapp: zwischen −0,3° und null, also im Streifschatten einer Kante. Dort geht etwas, aber mit Verlust — drei bis acht Dezibel, je nach Tag. Der Beitrag nennt beide Zahlen, weil nur beide zusammen den Platz beschreiben. Von den 127 Grad, die frei sind, kommen 15 Grad knappe dazu.
Die Anlage

Gerechnet ist überall dieselbe Anlage wie am Stuhleck, mit drei Masten:
- Mast 2, 7 Meter, Rotor: zwei 12JXX2 gestockt auf 3,9 und 6,7 m — der Stack, der nach Deutschland schaut.
- Mast 1, 10 Meter, Rotor: zwei 12JXX2 gestockt auf 6,9 und 9,7 m, 34° breit, 17,8 dBi.
- Mast 3, 7 Meter, ohne Rotor: zwei gestockte 9-Element-Tonna auf 3,9 und 6,7 m, 44° breit, 14,3 dBi — fest auf eine Richtung.
Die Stellungen sind nicht geraten, sondern gesucht: Für Gaisberg fallen sie auf 312° / 342° / 290° am DL-Stack, 60° / 46° / 78° am Rotor-Stack und 0° für die festen Tonnas.
Gespeist wird über einen Umschalter. Liegen die vollen 1 000 Watt auf dem System, auf dem gerade gearbeitet wird, und drehen die beiden Rotoren über den Contest, kommt die Anlage auf 1 055 Stationen (Deutschland 628, nach der DARC-Liste 1 199). Teilt man die Leistung auf die beiden Rotor-Stacks, also 500 Watt je Stack, sind es 862; mit nur drei festen Stellungen je Rotor 1 036; auf alle drei Systeme zugleich verteilt nur noch 664 — drei Richtungen kosten mehr Leistung, als sie an Fläche bringen. Der Tonna-Mast allein steuert 0 Stationen bei, die ohne ihn fehlen würden.
In drei Dimensionen
Derselbe Blick für jeden Standort: das Gelände kommt aus dem Laserscan des BEV, darüber liegt das Orthofoto, die beiden Masten stehen mit ihren gerechneten Höhen darauf. Die Schilder am Rand sind Städte — hell heißt über dem Horizont, grau dahinter.
Der Vergleich

Alle Standorte dieser Reihe mit derselben Anlage, derselben Zählregel und denselben Logs — nur so sind die Zahlen vergleichbar. Erreichbar heißt: Horizont unter der Waagrechten und genug Gewinn für die Entfernung (6 dBi bis 300 km, danach 3 dB je weitere 100 km), bei 1 000 Watt auf dem System, mit dem gerade gearbeitet wird. Beide großen Antennen hängen am Rotor — gezählt wird deshalb, was über den ganzen Contest erreichbar ist, nicht was eine feste Stellung gerade abdeckt.
Gezählt wird auf den IARU-Logs 2024/2025 und dem Marconi 2025: die erfassen jedes Land gleich. Die DARC-Liste deckt nur Deutschland ab — sie steht als eigene Spalte daneben, sonst gewinnt jeder Standort, der nach Westen schaut, allein durch die Datenlage.
| Standort | erreichbar | Deutschland | DARC-Liste | ≤ 500 km | Zugang |
|---|---|---|---|---|---|
| Stuhleck · 1 770 m | 1 549 | 326 | 569 | 962 | Auto bis oben |
| Traisner Hütte · 1 304 m | 1 482 | 569 | 988 | 877 | Sessellift, dann zu Fuß |
| Grünberg · 989 m | 1 417 | 700 | 1 271 | 826 | Seilbahn, Gasthaus |
| Feuerkogelhaus · 1 591 m | 1 302 | 588 | 1 056 | 726 | Seilbahn, Gasthaus |
| Braunsberg · 337 m | 1 172 | 454 | 814 | 740 | Auto bis oben |
| Gaisberg · 1 272 m | 1 055 | 628 | 1 199 | 618 | Auto bis oben |
| Hochkar · 1 478 m | 438 | 321 | 559 | 247 | Auto bis oben |
| Loser · 1 585 m | 0 | 0 | 0 | 0 | Auto bis oben |
Gaisberg steht damit auf Platz 6 von 8.
Wer die älteren Beiträge dieser Reihe kennt, findet dort andere Zahlen: Die wurden mit der ersten Bestückung gerechnet — ein Yagi-Stack und ein Vierfachquad-Stack mit 69° Keulenbreite. Seit die Wahl auf zwei schmale 12JXX2-Stacks gefallen ist, verschiebt sich die Reihenfolge: Mehr Gewinn, weniger Breite bevorzugt die Standorte, deren Stationen in einer Richtung gebündelt liegen, und kostet die, die rundum offen sind. Die festen Tonnas auf Mast 3 holen einen Teil dieser Breite zurück.
Die Daten
| Standort | Gaisberg — Gipfelparkplatz am Straßenende |
| Koordinaten | 47,80336 N / 13,11151 O · 1 272 m · JN67NT |
| Zugang | Straße bis zum Platz |
| Horizont frei | 266°–0°, 40°–81° |
| Grad frei / knapp / zu | 127° / 15° / 218° |
| Stationen ≤ 700 km | 1 005 frei, 50 knapp, von 2 133 |
| Deutschland (IARU) | 610 frei, 18 knapp, von 703 |
| Deutschland (DARC-Liste) | 1 217 unter der Waagrechten von 1 327 |
| Anlage | drei Masten · Mast 1 10 m (2 × 12JXX2 auf 6,9/9,7 m, Rotor) · Mast 2 7 m (2 × 12JXX2 auf 3,9/6,7 m, Rotor) · Mast 3 7 m (2 × 9-el-Tonna auf 3,9/6,7 m, fest) |
| Stellungen | DL-Stack 312° / 342° / 290° · Rotor-Stack 60° / 46° / 78° · Tonna fest 0° |
| umgeschaltet · 1 000 W | 1 055 · ≤ 500 km 618 · DL 628 · mit drei festen Stellungen je Rotor 1 036 |
| geteilt · je 500 W | 862 · ≤ 500 km 618 · DL 526 |
| alle drei zugleich · je 333 W | 664 · ≤ 500 km 612 · DL 380 |
| ohne den Tonna-Mast | 1 036 statt 1 036 |
| Σ Kilometer | 465 682 km |
| mit strengem Maß | nur Richtungen unter −0,3°: 788 · ≤ 500 km 578 · DL 483 |
Was das heißt
Der Gaisberg ist kein leerer Berg. Auf dem Gipfel steht seit Jahrzehnten ein Senderpark, und in dessen Mitte fährt man mit einer Contestanlage nicht einfach hinein:
- Das 2-m-Relais OE2XZR auf 145,6875 MHz steht 139 Meter vom Parkplatz — und zwar genau bei 297°, also mitten in der Richtung, in die man nach Deutschland strahlen will. Dazu das APRS-Digi auf 144,800 MHz. Beides liegt im selben Band, in dem man zwei Tage lang mit hoher Leistung arbeiten möchte. Umgekehrt gilt dasselbe: Was aus einer Endstufe in 139 Metern Entfernung in einen Relaiseingang läuft, macht das Relais für die Dauer des Contests unbrauchbar.
- Zweihundertzehn Meter weiter steht der ORF-Sender: vier UKW-Programme mit je 100 kW und DAB+. Ein Empfänger, der auf 145 MHz hören soll, steht dort in einem Feld, gegen das jede Vorselektion ein Kompromiss ist.
- Der Platz ist außerdem belegt: In den IARU-Logs 2024 und 2025 taucht OE2M mit JN67NT und 1 270 Metern auf — der AFV Salzburg funkt von dort. Zwei Stationen auf 145 MHz auf demselben Plateau sind keine gute Idee.
- Und die Gipfelwiese, die rechnerisch am besten wäre, ist Gleitschirm-Startplatz.
Das ist die eigentliche Antwort auf die Frage „Gaisberg?”: nicht die Geografie, sondern die Nachbarschaft.
Vorbehalt
Rechnung, keine Messung. Das SRTM-Raster hat dreißig Meter, der Laserscan vier; das Fernfeld kennt weder Bäume noch Gebäude, nur das Gelände. Die Ausbreitung nimmt die Standardatmosphäre an — ein Tropo-Abend rechnet anders, und gerade bei den knappen Richtungen entscheidet er mehr als jedes Zehntelgrad in dieser Tabelle. Die Zählung der Stationen ist eine Modellrechnung mit Antennendiagrammen aus Herstellerdaten, keine Vorhersage von Verbindungen.
Der Rest wird gemessen — oben, mit Antenne.
73 · OE5SOS